es ist soweit! In der Spielzeit 2011/2012 werden wir das sanierte und neu gestaltete Schauspielhaus
eröffnen. Kurz vor dem 50-jährigen Jubiläum des Volkart-Baus kehrt das Schauspiel Stuttgart zurück in
sein Domizil am Eckensee.
Im Moment laufen die Bauarbeiten auf Hochtouren. Wie auf allen Großbaustellen ist auch im Schauspielhaus mit schwer vorhersehbaren Situationen zu rechnen, die Zeit kosten werden. Wir haben deshalb nach Abstimmung mit allen beteiligten Gremien beschlossen, die künstlerische Eröffnung des Hauses mit DON KARLOS und DAS SPIEL IST AUS aus auf den Monat Februar zu verlegen. Bis dahin verbleiben wir in der Niederlassung Türlenstraße, die Sie ja alle bereits gut kennen und wollen uns mit sechs Premieren gebührend aus unserer Interimsspielstätte verabschieden.
Immerhin war schon die vergangene Saison für uns alle eine sehr anregende und aufregende Phase des
Umbruchs und Neustarts. Die Einrichtung der Spielstätten in der Türlenstraße, die Eröffnung des NOR D und des neuen Probenzentrums, über 20 verschiedene Inszenierungen, die wir en suite für Sie gespielt haben, liegen hinter uns. Dabei konnten wir wertvolle Erfahrungen sammeln, die für die Eröffnung des Schauspielhauses unverzichtbar sein werden. Der Blick auf die eigene Arbeit ist geschärft und die Bereitschaft, sich wiederum lustvoll auf eine komplexe Aufgabe einzustellen, ist groß. Jetzt gilt es, den wichtigsten Schritt zu gehen und in einem neu proportionierten Bühnen- und Zuschauerraum die Zwiesprache mit Ihnen, unseren Zuschauerinnen und Zuschauern, wieder aufzunehmen. Ein höchst spannungsvoller Vorgang, in dem wir auch unsere inhaltlichen und ästhetischen Möglichkeiten neu ausloten möchten, um das Schauspielhaus zu einem öffentlichen Raum der Kunst und der Diskurse zu machen.
Auf dieses Ziel ist auch unser Spielzeitthema COPYRIGHT FREIHEIT ausgerichtet, dem wir uns in allen Spielstätten, also auch im NORD und im Kammertheater widmen wollen. Stuttgart hat in seiner jüngeren Vergangenheit mit der Kontroverse um das Bauprojekt S21 viel Aufsehen erregt und vielleicht sogar Geschichte geschrieben. Der Begriff FREIHEIT spielte dabei eine große Rolle und ist es aus unserer Sicht wert, künstlerisch auf verschiedene Weise ausgelegt und in Frage gestellt zu werden.
Wie frei sind wir? Wie frei sollten wir sein?
Was kostet unsere Freiheit und wie übernehmen wir dafür die Verantwortung?
Zu verworfen ist das Bild unserer Gesellschaft, zu verzerrt der Blick auf die Perspektiven globaler Entwicklungen, als dass man sich schnell auf gemeinsame Antworten einigen könnte.
Wir alle brauchen den Diskurs und ich lade Sie herzlich dazu ein.
HASKO WEBER
Intendant