von Bernard-Marie Koltès
Er balanciert auf dem Dach wie ein Held, trittsicher und ohne Angst. Dieses Dach ist das Dach eines Gefängnisses und er, der Held, ist Roberto Zucco, der von sich behauptet: „Ich bin ein normaler vernünftiger Junge, ich bin kein Held. Helden sind Verbrecher." Zucco hat seinen Vater umgebracht, deshalb saß er im Zuchthaus. Doch Zucco ist geschickt und schnell – er flieht. Und er bringt, wie im Vorbeigehen, noch mehr Menschen um: seine Mutter, den Inspektor, ein Kind. Er ist einer, der ohne Motiv mordet. Und einer, der nicht ins System passt. Zucco ist ein Getriebener, auf der Jagd nach einer Alternative zur Normalität.