Europa Ensemble

Wir haben ein Europa Ensemble gegründet! Zusammen mit dem Nowy Teatr Warschau, dem Zagreb Youth Theatre und dem Nationaltheater Athen als assoziiertem Partner schafft das Schauspiel Stuttgart eine gelebte Utopie. Während das europäische Projekt vielerorts zunehmend in Frage gestellt wird, macht eine Gruppe von Schauspieler*innen und Regisseur*innen u.a. aus Kroatien, Bosnien, Polen, Griechenland und Deutschland über einen längeren Zeitraum zusammen europäisches Theater.

Den Auftakt entwarf und inszenierte  der künstlerische Leiter des Ensembles, Oliver Frljić mit der Inszenierung Imaginary Europe (UA). Als Wanderer zwischen den Welten, der sowohl in Osteuropa als auch in Deutschland arbeitet, ist er für die Leitung des Ensembles prädestiniert. Für die folgenden Inszenierungen des Europa Ensembles lädt Frljić innovative Kulturschaffende unterschiedlicher Herkunft ein, um Theater zu machen – für ein neues Europa.

Das zweite Projekt des Europa Ensembles inszeniert die französisch-polnische Regisseurin Anna Smolar im Sommer am Nowy Theatr in Warschau inszenieren. Beim dritten Projekt im Herbst am Zagreb Youth Theatre wird der griechische Anestias Azas die Regie übernehmen.

Eine Zusammenarbeit zwischen dem Schauspiel Stuttgart, dem Nowy Teatr, Warschau, und dem Zagreb Youth Theatre (Zagrebačko kazalište mladih) sowie dem Nationaltheater Athen als assoziiertem Partner.

Gefördert durch die
und

Das Europa Ensemble

(c) Michalis Archontidis
Das Europa Ensemble besteht aus sechs jungen Schauspieler*innen – je zwei von ihnen kommen aus Deutschland, Polen und Kroatien. Sie sind eingeladen, ihre eigene Vision von Europa zu entwerfen. Was setzen wir dem drohenden Scheitern des Projekts Europa entgegen? Wie können wir Europa neu denken? Was ist unsere Utopie?

Adrian Pezdirc (Kroatien), Jaśmina Polak (Polen), Jan Sobolewski (Polen), Claudia Korneev (Deutschland), Tina Orlandini (Kroatien), Tenzin Kolsch (Deutschland)

KICK-OFF Meeting in Athen


Vom 17. bis 19. Februar fand das gemeinsame Kick-Off Meeting aller Beteiligten statt, bei dem das Ensemble erstmals zusammenkam. Gastgeber war das Nationaltheater Athen als assoziierter Partner des Europa Ensembles. Zudem war die Ortswahl durchaus symbolisch zu verstehen: Athen und Griechenland als Wiege der Demokratie und gleichzeitig als aktueller Schauplatz einer umstrittenen EU-Wirtschafts- und Flüchtlingspolitik.

Für die französisch-polnische Regisseurin Anna Smolar, die das zweite Projekt des Europa Ensembles im Sommer am Nowy Teatr in Warschau inszenieren wird, war der Kick-Off in Athen vielversprechend:

„Es ist sehr schön zu sehen, wie das Europa Ensemble nun zum Leben erwacht. Schon beim ersten Aufeinandertreffen der Schauspieler*innen gestern konnte man merken, dass sie eine gemeinsame Sprache finden werden. In gewisser Weise ist das ganz natürlich, weil Schauspieler*innen immer – selbst wenn sie aus unterschiedlichen kulturelle, sozialen oder politischen Kontexten kommen – einen Weg finden, auch ohne Worte zu kommunizieren. Unsere sechs Ensemblemitglieder sprechen sehr gut Englisch, aber schon die ersten Improvisationen beim Workshop heute Morgen haben gezeigt, wie sie im Miteinander und aus dem gemeinsamen Austausch heraus Material entwickeln. Darin steckt sehr viel Potential. In den nächsten zwei Jahren wird das Ensemble in jedem Land Erfahrungen sammeln, mit unterschiedlichen Situationen konfrontiert werden und herausfinden, was uns das jeweils über Europa erzählt. Das ist eine sehr reichhaltige Erfahrung und ich bin in gewisser Weise neidisch, weil die Schauspieler*innen am Ende die meisten Erfahrungen von uns allen gesammelt haben werden. Die ganze Unternehmung ist wirklich außergewöhnlich und ich bin sehr aufgeregt und neugierig auf das, was kommt.“


Im Fokus stand der Austausch über die jeweilige Theaterarbeit in Warschau, Zagreb, Stuttgart und die Konkretisierung der Zusammenarbeit im Rahmen des Europa Ensembles. Außerdem gab es für das Ensemble erste Proben-Workshops unter der Leitung der Regisseur*innen der ersten drei Produktionen, Oliver Frljić, Anna Smolar und Anestis Azas. Die inhaltliche Auseinandersetzung wurde u.a. angeregt durch Begegnungen mit Athener Aktivisten der Flüchtlingshilfe und gegen Rechtspopulismus, mit einer Politikwissenschaftlerin zum Thema Gender, Gewalt, Migration sowie griechischen Theatermachern.

Der griechische Theatermacher Anestis Azas, der beim dritten Projekt des Europa Ensembles im Herbst in Zagreb die Regie übernehmen wird, fügt hinzu:

„In den drei Tagen konnten wir uns auch mit unterschiedlichen Menschen aus Athen austauschen über Themen und Probleme, die uns in ganz Europa auf ähnliche Weise beschäftigen: zum Beispiel die zunehmende Gefahr, die von rechtspopulistischen und rechtsextremen Bewegungen ausgeht, und die Frage nach dem richtigen Umgang mit Geflüchteten. Wir versuchen eine gemeinsame Sprache zu finden. Ich bin sehr froh mit dem Europa Ensemble zusammenzuarbeiten und ich finde, es ist eine Herausforderung, unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Sprachen und auch unterschiedliche Theatertraditionen zu einem utopischen Projekt zu vereinen. Es war ein sehr produktives Treffen und ich bin nun gespannt auf die Proben.“
Fotos: Michalis Archontidis