100 Songs (DSE)

von Roland Schimmelpfennig
Karten
Kammertheater
Dauer – ca. 1:45 Std, keine Pause
Deutschsprachige Erstaufführung
Fr – 21. Jun 19
Karten
8:52 Uhr. Ein Bahnsteig, Menschen drängen an den Zugtüren, in zwei Minuten schrillt das Signal zur Abfahrt. Ein Mann gießt Blumen am Fenster, eine junge Frau rennt zu den Gleisen, um den Zug zu erwischen, und im Bahnhofscafé wechselt das Radio von „Don't dream it's over“ auf „Bette Davies Eyes“, das Lieblingslied der Kellnerin Sally. Scheinbar zufällige Momentaufnahmen, die nichts gemeinsam haben – bis der Zeiger auf 8:55 Uhr springt und Sally eine Tasse aus der Hand fällt, als der Zug vor ihren Augen explodiert.
Kann das Unfassbare beschrieben werden? 100 Songs spult die Geschichte immer wieder zurück zu den Minuten davor, den Erinnerungen und Biografien der Figuren, die sich im Augenblick der Explosion verbinden und gleichzeitig verschwinden. So unterschiedlich sie auch sind, in der Katastrophe sind sie eine Gemeinschaft, in Gelebtem, Ungelebtem, im Nichtsahnen und all den Liedern, die in den Sekunden davor vielleicht gehört werden. „Es war als ob hundert Songs gleichzeitig liefen. / Hundert Songs. Oder mehr. / Tausende Songs. / Millionen. / Milliarden. / All die Songs aus dem Radio, alle gleichzeitig. Und plötzlich: alles aus. / Alles still.“
100 Songs ist ein Requiem, ein Sprachkonzert. In immer neuen Anordnungen und Kombinationen spielt Roland Schimmelpfennig mit Zeit, Zufälligkeit und den Elementen, die Erinnerung prägen. Und umkreist im ständigen Vor und Zurück eben jenen Moment, in dem die Tasse auf dem Boden zersplittert und die Frage im Raum steht, ob sie nicht doch jemand rechtzeitig hätte auffangen können.
Inszenierung und Bühne
Kostüme
Lane Schäfer
Mitarbeit Kostüme
Verena Salome Bisle
Komposition
Hannes Gwisdek
Dramaturgie

Pressestimmen

Süddeutsche Zeitung
Adrienne Braun, 02. Jul 19
"Während sich andere Häuser bereits in die Sommerpause verabschieden, ist im Kammertheater auch Roland Schimmelpfennig noch einmal zu Hochform aufgelaufen …. [Er] hat seine Figuren nur flüchtig porträtiert und erzählt dabei doch so viel von Sehnsüchten, Illusionen, Niederlagen. Das ganze Leben scheint sich in diesen wenigen Minuten vor dem Attentat aufzubäumen, um dem Tod zu trotzen. "100 Songs" ist unprätentiöses, grandioses Schauspielertheater, das bewusst macht, welche Qualitäten im neuen Stuttgarter Ensemble stecken."
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Nachtkritik
Thomas Rothschild, 21. Jun 19
"…ein fabelhaftes Ensemble…. So locker, so wenig forciert und mit so viel subtilem Witz hat man lange keine Schauspieler*innen auf einander eingehen sehen."
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Stuttgarter Zeitung
Adrienne Braun, 24. Jun 19
"absolut sehenswert"

"Mit leichter Hand gelingt es Schimmelpfennig in "100 Songs", große wie kleine Tragödien tragikomisch auszuloten. Dabei ist er nah an der Gegenwart, witzig und immer auch ein bisschen verrückt. … "100 Songs" ist auch eine Liebeserklärung an das Theater, das mit ein paar Gesten und dahingeworfenen Sätzen Lebensentwürfe und Schicksale entstehen lassen kann."

"Die sechs Schauspieler sind großartig"

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Ludwigsburger Kreiszeitung
Arnim Bauer, 25. Jun 19
"… weil die einzelnen Figuren in ihrer Alltäglichkeit gut getroffen sind, die Erzählungen über das Woher und Wohin, die Gedanken und auch die Songs, die immer wieder eine Rolle spielen, tatsächlich wie ein feines Räderwerk ineinandergreifen, funktioniert die Inszenierung und lässt Schimmelpfennigs Handschrift deutlich werden."

"Aber da sind eben auch die sechs Darsteller und Darstellerinnen. Katharina Hauter, Sebastian Röhrle, Anne-Marie Lux, Robert Rožić, Alexandra von Schwerin und Reinhard Mahlberg agieren als richtiges Ensemble, spielen in den kurzen, ständig wechselnden Szenen wirklich miteinander und aufeinander eingehend. Wobei nicht nur Vielseitigkeit gefragt ist, sondern auch höchste Konzentration, denn nur so wird das erforderliche Tempo über die gesamten hundert Minuten der Aufführung hochgehalten, greifen die Texte wirklich ineinander wie ein feines Räderwerk, bleibt die Spannung. So etwas funktioniert nur mit ganz ausgezeichneten und aufeinander abgestimmten Schauspielern…."

gig-blog (Konzerte und Konzertberichte aus Stuttgart)
Holger Vogt, 23. Jun 19
"Jeder spielt mehrere Personen, manchmal wird dieselbe Person von mehreren Schauspielern gespielt. Was schon fast nach einer labormäßig-akademischen Versuchsanordnung klingt, kommt überraschend dynamisch und flott über die Bühne. Und das liegt in erster Linie am wunderbar rhythmisch gestalteten Text, den sich die Akteure mit hohem Tempo und viel Verve weiterreichen. … Alle sechs Akteure überzeugen in ihren Rollen und haben sichtlich Spaß am temporeichen Spiel."

"Kurzum: wir erfreuen uns an einem zeitgemäßen, flott inszenierten Sprechtheater, das Ensemble und Publikum gleichermaßen zu begeistern scheint. … Letztlich haben wir im Kammertheater, das mit seinem intimen Rahmen ideale Voraussetzungen bietet, wieder eine höchst sehenswerte, niemals langweilige und teilweise mitreißende Inszenierung geboten bekommen. Und das Premierenpublikum würdigt dies zu Recht mit langanhaltendem Applaus."

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Schwäbische Zeitung
Jürgen Berger, 24. Jun 19
"Inszeniert hat der Autor, der auch für die Bühne zuständig ist. Schimmelpfennig liefert ein Rundum-Sorglos-Paket – und er macht das sorgfältig perfekt, obwohl er als Bühnenbildner so viel Arbeit nicht hatte: sehr viele Stühle und noch mehr Kleidungsstücke, mehr braucht es nicht für das permanente Figur-Wechsle-dich-Spiel…. In Stuttgart sind da ansonsten nur noch die Lichtregie, immer wieder wallender Bühnennebel und vor allem: die Stuttgarter Ensemblemitglieder, die Schimmelpfennig schnörkellos und mit einem genauen Blick für die tragikomischen Färbungen des Lebens inszeniert."

"Das Genre der mit knappen Schnitten erzählten Lebensdramen und -komödien beherrscht Schimmelpfennig wie kein zweiter."

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Die deutsche Bühne
Manfred Jahnke, 23. Jun 19
"Mit großer, anarchischer Lust spielt das Ensemble auf …. Das Ensemble kann alles: von der tragischen Pointe bis hin zur Karikatur."

"Entstanden ist so ein unterhaltsames, aus Puzzleteilen zusammengesetztes Panoptikum im Angesicht der Apokalypse."

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