Europäischer Nachwuchs- dramatiker:innen Preis 2022

LENA LAGUSHONKOVA IST PREISTRÄGERIN DES EUROPÄISCHEN NACHWUCHSDRAMATIKER:INNEN PREIS 2022

Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre vom Schauspiel Stuttgart vergeben und von der SRH Holding, Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Christof Hettich, gefördert.

Der diesjährige Alleinjuror Marius Ivaškevičius, litauischer Dramatiker, Essayist, Prosa- und Drehbuchautor, Journalist und Regisseur, über die Preisträgerin:

Lena Lagushonkova, eine ukrainische Dramatikerin aus Luhansk, schreibt in ihren Stücken über das Leben junger Menschen vor dem Hintergrund der Revolution und des Krieges. Die kurzen Dialoge und Monologe ihrer Stücke sind durchzogen von einer sparsamen, direkten Sprache und scharfsinnigem Humor. Lagushonkova berichtet über historische Ereignisse in der Ukraine und ihr Leben im besetzten Gebiet von Luhansk. Ihre Erzählungen – basierend auf Fragmenten des alltäglichen Lebens – entwickeln sich zu epischen Dramen: Krieg, Armut, Verwüstung und das qualvolle Wiederkennen von Menschen und ihren Handlungen. Komisch und tragisch zugleich.“

Lagushonkovas bisheriges Werk umfasst acht Stücke, die an Theatern in Kyiv, Charkiw und Odessa uraufgeführt wurden. Sie arbeitete mit dem Young Theatre und dem PostPlay Theatre, ko-kurierte Projekte der National Association of Theatre Activists of Ukraine und ist Mitbegründerin des Theater of Playwrights in Kyiv. Sie schreibt über das Leben in der Ukraine vor dem Hintergrund der gewaltsamen Veränderungen seit den 1990er Jahren, der Proteste auf dem Maidan und der Situation in der Ost-Ukraine. Zurzeit lebt sie in Polen.

PREISVERLEIHUNG AM 20. NOVEMBER

Der Nachwuchspreis wird am 20. November um 18:00 Uhr im Kammertheater feierlich verliehen. Dort ist um 20:00 Uhr auch Lena Lagushonkovas Stück Мать Горького / Gorkis Mutter zu sehen.
Das Schauspiel Stuttgart vergibt seit 2020 alle zwei Jahre den Europäischen Dramatiker:innen Preis. Die vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg geförderte und mit 75.000 Euro dotierte Auszeichnung ehrt eine:n europäische:n Dramatiker:in für ein herausragendes Gesamtwerk. Der Europäische Dramatiker:innen Preis ist der erste hochkarätige Preis, der die dramatische Kunst in Europa in all ihrer Vielfalt in den Blick nimmt und sie als verbindendes Element zwischen den europäischen Kulturen versteht.
Neben dem Hauptpreis verleiht das Schauspiel Stuttgart zudem den Europäischen Nachwuchsdramatiker:innen Preis, der mit 25.000 Euro dotiert ist und von der SRH Holding, Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Christof Hettich, gefördert wird.
Schirmherr des Europäischen Dramatiker:innen Preises ist der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann.
Die Schirmherrschaft für den Europäischen Dramatiker:innen Preis übernimmt Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg.
Der Europäische Dramatiker:innen Preis wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und dem Förderverein der Staatstheater Stuttgart e.V. gefördert.
Der Europäische Nachwuchsdramatiker:innen Preis wird von der SRH Holding (SdbR), Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Christof Hettich, gefördert.

Preisträger:innen 2020

Wajdi Mouawad © Simon Gosselin
Jasmine Lee-Jones © Helen Murray

Europäischer Dramatiker:innen Preis 2020 für Wajdi Mouawad

Der erste Preisträger des Europäischen Dramatiker:innen Preis war Wajdi Mouawad.

Jury-Vorsitzender Peter Michalzik zur Begründung: „Schon die Biografie – geboren im Libanon; Ausbildung und Erfolge als Autor, Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter in Kanada; seit 20 Jahren auch in Frankreich tätig, dort leitet er heute sehr erfolgreich das Théâtre National de la Colline in Paris – macht das große Spektrum und den weiten globalen Erfahrungshorizont von Wajdi Mouawad deutlich. In den Stücken werden die prägenden Wunden und Verletzungen der jüngeren Vergangenheit, vor allem im Nahen Osten, benannt und nacherlebbar. Diese Stücke sind oft Versuchsanordnungen der Versöhnung durch Wahrheit, seine Dramaturgie ist eine Dramaturgie der Heilung, die mit großen Geschichten, Schockmomenten und zugespitzten Konstellationen arbeitet. Mouawad schafft Szenen und Stücke von überwältigender dramatischer Wucht. Wahrheit und Lüge, Herkunft und Identität, Versöhnung und Feindschaft sind selten leidenschaftlicher und intensiver thematisiert worden. Mouawad ist ein ausgesprochen fruchtbarer und äußerst engagierter Dramatiker, dessen vielfältiges Werk deutlich in einem humanistischen Erbe wurzelt, das nicht auf Europa beschränkt bleibt. Außerdem ist er einer der meistgespielten Dramatiker unserer Zeit, seine Stücke wie Verbrennungen und Vögel sind auch formal Vorbilder geworden.“

Europäischer Nachwuchsdramatiker:innen Preis 2020 für Jasmine Lee-Jones

Alleinjuror der Auszeichnung war 2020 der britische Theaterautor Simon Stephens. Seine Wahl fiel auf die Dramatikerin Jasmine Lee-Jones:

„Jasmine Lee-Jones' Erstlingswerk Seven Methods of Killing Kylie Jenner (dt. Sieben Methoden, um Kylie Jenner töten) verblüffte mich, als ich es vor zwei Jahren das erste Mal las. Es war ein kurzes, zehnseitiges Stück voller Wut und Witz. Sie schrieb mit einem Funkeln und einem seltenen wie unwiderstehlichen Sinn für Grenzüberschreitung“, so Simon Stephens in seiner Begründung. „Sie hatte ein Stück aus einem eindrucksvollen Splitter in etwas vollendet ausgefertigtes und komplexes entwickelt. Sie schreibt voll formaler Innovation. Sie erschafft Figuren, die durchweg lebendig und überraschend sind. Ihre Sprache ist geschmeidig und wach. Ich liebe ihren Zorn. Ich liebe ihre Einsicht. Wenn wir wieder aus dieser seltsamen, traurigen COVID-Unterbrechung herauskommen, sind es Autor:innen wie Jasmine, die uns helfen, das Stückemachen neu zu prägen.“

Statements von Winfried Kretschmann, Theresia Bauer und Burkhard C. Kosminiski

Schirmherr des neuen Europäischen Dramatiker:innen Preises ist Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg:

„Mit der gezielten Würdigung von Kunst und Kultur in Form des neuen Preises setzen wir ein starkes und insbesondere auch europaweit wirkendes Signal. Die aktuelle politische Situation Europas wird durch die künstlerische Auseinandersetzung im Theater mit den Grundwerten wie Freiheit und Zusammengehörigkeit reflektiert und offengelegt. Dabei kommt der Gegenwartsdramatik eine hervorgehobene Rolle zu. Ich beglückwünsche das Schauspiel Stuttgart, dass es hier international Neuland betritt.“

Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg:

„Die Württembergischen Staatstheater stehen weltweit für herausragende Bühnenkunst. Länderübergreifende Koproduktionen, europäische Regisseur:innen und internationale Diskurse sind fester Bestandteil des Hauses und des Schauspiels Stuttgart. Hier bildet sich ab, was Europa ausmacht: der Reichtum unterschiedlicher Kulturen, Erzählungen und Geschichten. So war die Idee für einen Europäischen Dramatiker:innen Preis nur folgerichtig, schließlich fördert und festigt gerade die Auseinandersetzung mit europäischer Literatur das Verständnis zwischen den Kulturen. Durch die Auslobung dieses europäischen Preises kann das Land Baden-Württemberg seinem Anspruch als innovatives Kraftzentrum innerhalb Europas gerecht werden.“

Für Schauspielintendant und Initiator Burkhard C. Kosminski verbindet der Europäische Dramatiker:innen Preis zwei Kernpunkte des Schauspiels Stuttgart - das zeitgenössische Autorentheater und die internationale Ausrichtung:

„Europa ist reich an unterschiedlichen Kulturen – und wo werden diese so kraftvoll und lebendig wie im Theater? Gerade zeitgenössische Dramatiker:innen entfalten in ihren Werken die faszinierende Vielfalt Europas und konfrontieren uns mit den gesellschaftlichen Bruchstellen und unterschiedlichen Lebensrealitäten. Trotzdem gab es bisher keinen europäischen substantiellen Preis für Dramatik, der es Autor:innen erlaubt, mit finanzieller Unabhängigkeit und frei von konkreten Theateraufträgen zu schreiben. Der Europäische Dramatiker:innen Preis war also mehr als überfällig, und ich bin dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, dem Ministerpräsidenten, der SRH Holding und dem Förderverein der Staatstheater sehr dankbar, dass sie das Vorhaben von Anfang an unterstützt und mit auf den Weg gebracht haben.“

Festwochenende im Schauspiel Stuttgart: 08. bis 10. Okt 21

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten das Festwochenende und die Preisverleihung 2020 auf 2021 verschoben werden.

Seuls

von und mit Wajdi Mouawad
Eine Produktion des Théâtre national de la Colline
Rückblick

Matinee mit Wajdi Mouawad

Moderation: Peter Michalzik
Rückblick

Panel: Rewriting Europe

mit Barbara Engelhardt, Oliver Frljić und Simon Stephens
Rückblick

Jurys und internationaler Beirat 2020

Jurymitglieder Hauptpreis:

Barbara Engelhardt
Intendantin Theater Maillon, Straßburg

Peter Kümmel
Theaterkritiker und Redakteur im Feuilleton der Wochenzeitung Die Zeit

Peter Michalzik
Autor, Juryvorsitzender

Petra Olschowski
Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Thomas Ostermeier
Regisseur und Künstlerischer Leiter der Schaubühne Berlin
Alleinjuror Nachwuchspreis:

Simon Stephens
britischer Dramatiker
Internationaler Beirat (Hauptpreis):

Vincent Baudriller, Frankreich,
Direktor des internationalen Festival d’Avignon, seit 2013 Leitung Théâtre de Vidy in Lausanne

Calixto Bieito, Spanien,
Regisseur und künstlerischer Leiter des Teatro Arriaga, Bilbao

Karen-Maria Bille, Dänemark,
Dramaturgin und Übersetzerin

Stefan Bläske, Belgien,
Dramaturg

Stefanie Carp, Deutschland,
Intendantin der Ruhrtriennale 2018-2020 und Dramaturgin

Ebru Nihan Celkan, Türkei,
Autorin und Dramatikerin

Constantin Chiriac, Rumänien,
Präsident des Sibiu International Theatre Festivaly, Geschäftsführer des Radu Stanca National Theatre, Sibiu, Rumänien

Maria Delgado, England, Spanien,
Dramaturg, Journalist, Autor (Theater der Zeit)

Roman Dolschanskiy, Russland,
Regisseur und Dramaturg

Magnus Florin, Schweden,
Schriftsteller, Regisseur und Dramaturg

Oliver Frljić, Bosnien,
Regisseur

Bettina Hering, Schweiz, Österreich,
Schauspieldirektorin der Salzburger Festspiele (seit 2017), Dramaturgin und Regisseurin

Wolfgang Höbel, Deutschland
Journalist (DER SPIEGEL)

Marius Ivaškevičius, Litauen,
Autor, Journalist, Dramatiker, Regisseur

Mateja Koležnik, Slowenien,
Regisseurin

Wolfgang Kralizek, Deutschland,
Kritiker, Journalist

Kristina Matvienko, Russland,
Journalistin, Kritikerin, Kuratorin

Sir Brian John McMaster, England,
Leiter des Edinburgh International Festival (1991-2006), Künstlerischer Betriebsdirektor

Biljana Srbljanović, Serbien,
Schriftstellerin, Dramaturgin

Simon Strauß, Deutschland,
deutscher Historiker, Schriftsteller und Journalist (FAZ)

Itay Tiran, Israel,
Schauspieler, Regisseur

Krzysztof Warlikowski, Polen,
Regisseur

Franz Wille, Deutschland,
Kritiker Theater Heute
Die Mitglieder des internationalen Beirats durften nur Dramatiker:innen vorschlagen, mit denen sie in der letzten Zeit in keiner Arbeitsbeziehung standen.