Europäischer Dramatiker:innen Preis 2022

Das Schauspiel Stuttgart vergibt seit 2020 alle zwei Jahre den Europäischen Dramatiker:innen Preis. Die vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg geförderte und mit 75.000 Euro dotierte Auszeichnung ehrt eine:n europäische:n Dramatiker:in für ein herausragendes Gesamtwerk. Der Europäische Dramatiker:innen Preis ist der erste hochkarätige Preis, der die dramatische Kunst in Europa in all ihrer Vielfalt in den Blick nimmt und sie als verbindendes Element zwischen den europäischen Kulturen versteht.
Neben dem Hauptpreis verleiht das Schauspiel Stuttgart zudem den Europäischen Nachwuchsdramatiker:innen Preis, der mit 25.000 Euro dotiert ist und von der SRH Holding, Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Christof Hettich, gefördert wird.
Schirmherr des Europäischen Dramatiker:innen Preises ist der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann.
„Der Europäische Dramatiker:innen Preis schließt eine wichtige Lücke in der Förderung von Dramatiker:innen und zeigt die enge Verbundenheit Baden-Württembergs mit Europa. Die Auszeichnung macht die ästhetische wie inhaltliche Kraft europäischer Dramatik sichtbar – lassen wir uns von davon anregen und mitreißen! Mein Dank gilt dem Land Baden-Württemberg, Christoph Hettich und der SRH sowie den Jurorinnen und Juroren für ihre Weitsichtigkeit. Den diesjährigen Preisträgerinnen gratuliere ich von ganzem Herzen.“ - Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski
Die Schirmherrschaft für den Europäischen Dramatiker:innen Preis übernimmt Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg.
Der Europäische Dramatiker:innen Preis wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und dem Förderverein der Staatstheater Stuttgart e.V. gefördert.
Der Europäische Nachwuchsdramatiker:innen Preis wird von der SRH Holding (SdbR), Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Christof Hettich, gefördert.

Preisträgerinnen 2022

Caryl Churchill © Marc Brenner
Lena Lagushonkova © Petr Litvik

Caryl Churchill ist Preisträgerin des Europäischen Dramatiker:innen Preis 2022

Die britische Dramatikerin Caryl Churchill erhält den Europäischen Dramatiker:innen Preis 2022 für ihr Gesamtwerk.

Die Jury unter dem Vorsitz von Peter Michalzik zur Begründung: „Die 1938 geborene Dramatikerin Caryl Churchill hat über mehr als 60 Jahre ein substantielles, wirkungsstarkes und ausgesprochen engagiertes Werk geschaffen. Die Vielfalt ihrer Formen resultiert aus der Vielfalt ihrer Themen. Churchill greift gesellschaftliche, humane, wissenschaftliche und politische Fragestellungen auf. In den Siebziger Jahren wurde ihr Schreiben feministisch (und ist es bis heute). Zu dieser Zeit begann sie Gender- und Geschlechterfragen, Rassismus und Kolonialismus zu thematisieren. In den Achtzigern nahm sie den Finanzkapitalismus am Beispiel der Londoner City aufs Korn. In ihren zahlreichen Stücken hat sie unterschiedliche Machtstrukturen scharf herausgearbeitet. Seit Ende der Neunziger Jahre zeigt ihr Werk ein deutliches Interesse an Osteuropa.
Zu ihren bekanntesten und wichtigsten Werken gehören Cloud 9 (1979), das imperialistisches Denken untersucht, Top Girls (1982) über Frauen in einer Männerwelt, A mouthful of birds (1986), in dem sie zum ersten Mal Sprech- mit Tanztheater verband, das Versdrama Serious Money (1987), Blue Heart (1997), A number (2002) über Fragen des Klonens und der menschlichen Identität. Love and Information (2012) und Ding Dong the Wicked (2013) befassen sich mit grundsätzlichen menschlichen Fragen.
Caryl Churchill ist bis heute produktiv. In der großen Tradition englischsprachiger Literatur schrieb sie scharf exponierte Dialoge genauso wie lautmalerische Textflächen. Ihre Stücke haben surreale aber auch realistische Züge. Neben der intensiven Zusammenarbeit mit dem Tanztheater, das auf zahlreiche auch kontinentaleuropäische Theatermacher:innen inspirierend wirkte, hat sie mehrfach für Musiktheaterproduktionen gearbeitet. Mit ihrem formal und inhaltlich anspruchsvollen Werk forderte Churchill Kritik und Publikum immer wieder heraus. Caryl Churchill ist eine der größten lebenden Dramatikerinnen. Ihr Werk ist bekannt, aber nicht berühmt und wird nur noch selten gespielt. Zeit für eine Neubewertung und Neubetrachtung.“

Lena Lagushonkova ist Preisträgerin des Nachwuchsdramatiker:innen Preis 2022

Der diesjährige Alleinjuror Marius Ivaškevičius, litauischer Dramatiker, Essayist, Prosa- und Drehbuchautor, Journalist und Regisseur über die Preisträgerin:

Lena Lagushonkova, eine junge ukrainische Dramatikerin aus Luhansk – heute wohnhaft in Kiew – schreibt in ihren Stücken über das Leben einer jungen Frau vor dem Hintergrund der Revolution und des Krieges. Die kurzen Dialoge und Monologe der Stücke sind durchzogen von einer sparsamen, direkten Sprache und scharfsinnigem Humor. Ihre Trilogie besteht aus den Stücken Gorky’s Mother, PGT und My banner was pissed on by a cat [zu Deutsch: Mein Banner wurde von einer Katze angepinkelt]. Letzteres handelt von ihren Bemühungen, ihre Jungfräulichkeit während der Euromaidan-Proteste in der Ukraine zu verlieren. Sie berichtet über historische Ereignisse in der Ukraine und ihr Leben im besetzten Gebiet von Luhansk. Die Erzählung – basierend auf Fragmenten des alltäglichen Lebens – entwickelt sich zu einem epischen Drama: Krieg, Armut, Verwüstung und das qualvolle Wiederkennen von Menschen und ihren Handlungen. Komisch und tragisch zugleich.
Heute lebt Lena in einer neuen, schrecklichen Realität – im von Putins Armee belagerten Kiew. Ich sagte ihr, dass sie im Herbst eine äußerst erfreuliche Überraschung erwarten könnte. Sie antwortete: `Vielen Dank. Ich hoffe, dass ich dann noch lebe.´ Und sie fügte hinzu: `Es ist furchtbar. Aber ich weine nicht.´“

Preisverleihung und Festwochenende: 18. bis 20. Nov 22

Die Verleihung des Europäischen Dramatiker:innen Preises 2022 an Caryl Churchill und des Europäischen Nachwuchsdramatiker:innen Preises 2022 an Lena Lagushonkova findet am Wochenende 18. bis 20. November 2022 im Schauspielhaus der Stuttgarter Staatstheater statt. Das Programm folgt.

Statements des Schrimherrn und der Stifter:innen 2022

Schirmherr des Europäischen Dramatiker:innen Preises Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg

Winfried Kretschmann (Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg)
„Der 'Europäische Dramatiker:innen Preis' verhandelt die Vielfalt Europas auf der Bühne und begreift das Theater als verbindendes Element. Durch den schrecklichen Krieg in der Ukraine gewinnt er auf bedrückende Weise an Relevanz. Einen Krieg auf europäischem Boden, der nicht nur unermessliches Leid für die Menschen in der Ukraine bedeutet, sondern sich auch gegen Grundwerte wie Freiheit, Demokratie und Gleichheit richtet.
Umso mehr freue ich mich, dass mit Caryl Churchill eine der innovativsten und Dramatikerinnen der letzten vierzig Jahre ausgezeichnet wird. Ihr vielfältiges Gesamtwerk zeichnet sich durch tiefgründige Wahrheiten über Machstrukturen und deren Missbrauch, Geschlechterfragen oder kapitalistische Markmechanismen aus. Also durch Themen, die derzeit nicht brennender sein könnten.
Meine besondere Anerkennung gebührt zudem der ukrainischen Dramatikerin Lena Lagushonkova. Sie erhält den dankenswerterweise von der SRH Holding (SdbR) und ihrem Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Christof Hettich gestifteten 'Europäischen Nachwuchsdramatiker:innen Preis'. Mit bemerkenswert prägnanter Sprache spiegelt sich in ihrem noch jungen Werk das alltägliche Leben vor dem Hintergrund der jüngeren ukrainischen Geschichte eindrücklich wider.“

Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Theresia Bauer (Foto: Sabine Arndt)
„Mit dem Europäischen Dramatiker:innen Preis zeichnen wir innovative Autor:innen der Gegenwartsdramatik mit einer hohen europäischen Ausrichtung und Wirkungskraft aus. In diesem Jahr ehren wir eine wichtige feministische Gegenwartdramatikerin, die theatralische Konventionen radikal gesprengt und ganze Generationen geprägt hat. Mit dem Nachwuchspreis wird eine ukrainische Dramatikerin ins Zentrum gerückt – und damit der Blick mitten auf unsere krisenhafte und durch den Ukraine-Krieg nachhaltig erschütterte Gegenwart gerichtet."

Prof. Dr. Christof Hettich, Vorstandsvorsitzender der SRH und Stifter des Nachwuchspreises

Prof. Dr. Christof Hettich (Foto: SRH)
„Als Bildungs- und Gesundheitsunternehmen sind uns bei der SRH die Menschen, ist uns die Gesellschaft ein Anliegen – und eine Gesellschaft zeichnet sich auch immer durch ihre Kunst und Kultur aus. Wir fördern den Europäischen Nachwuchsdramatiker:innen Preis, weil es doch gerade Nachwuchskünstler:innen sind, die oft einen anderen, neuen, unkonventionellen und besonders kritischen Blick auf das Befinden einer Gesellschaft haben. Sie folgen keinen ausgetretenen Pfaden, sondern schaffen selbst neue. Lena Lagushonkova ist so eine ‚Pfadschafferin‘, und sie hat diesen Preis sehr verdient.“

Jurys und Internationaler Beirat 2022

Im mehrstufigen Auswahlverfahren nominierte der international besetzte Beirat zunächst 22 Dramatiker:innen aus 14 europäischen Ländern für die Longlist. Voraussetzungen für einen Vorschlag sind die hohe literarische, dramatische und theatrale Qualität des Werks und eine hervorragende Reputation des:der Dramatiker:in. Zudem muss das Werk in mehrere Sprachen übersetzt sein und in verschiedenen europäischen Ländern gespielt werden. 2022 umfasste der Beirat 29 Regisseur:innen, Autor:innen, Theaterleiter:innen, Dramaturg:innen, Theaterkritiker:innen und Lektor:innen aus 21 Ländern. Ausgehend von der Longlist des Beirats bestimmte die Jury zunächst eine Shortlist von 4 Kandidat:innen und schließlich die Preisträgerin.
Jurymitglieder Hauptpreis:

Barbara Engelhardt
Intendantin Theater Maillon, Straßburg

Peter Kümmel
Theaterkritiker und Redakteur im Feuilleton der Wochenzeitung Die Zeit

Peter Michalzik
Autor, Juryvorsitzender

Petra Olschowski
Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Thomas Ostermeier
Regisseur und Künstlerischer Leiter der Schaubühne Berlin
Alleinjuror Nachwuchspreis:

Marius Ivaškevičius
litauischer Dramatiker, Essayist, Prosa- und Drehbuchautor, Journalist und Regisseur
Internationaler Beirat (Hauptpreis):

Arnaud Antolinos, Frankreich
Generalsekretär des Théâtre national de la Colline, Paris

Vincent Baudriller, Frankreich,
Direktor des internationalen Festival d’Avignon, seit 2013 Leitung Théâtre de Vidy in Lausanne

Calixto Bieito, Spanien,
Regisseur und künstlerischer Leiter des Teatro Arriaga, Bilbao

Karen-Maria Bille, Dänemark,
Dramaturgin und Übersetzerin

Stefan Bläske, Deutschland
Dramaturg

Davide Carnevali, Italien,
Dramatiker, Theaterwissenschaftler, Publizist und Übersetzer

Ebru Nihan Celkan, Türkei,
Autorin und Dramatikerin

Constantin Chiriac, Rumänien,
Präsident des Sibiu International Theatre Festivaly, Geschäftsführer des Radu Stanca National Theatre, Sibiu, Rumänien

Maria Delgado, England, Spanien,
Dramaturgin, Journalistin, Autorin (Theater der Zeit)

Roman Dolschanskiy, Russland,
Regisseur und Dramaturg

Magnus Florin, Schweden,
Schriftsteller, Regisseur und Dramaturg

Oliver Frljić, Bosnien,
Regisseur

Paulien Geerlings, Niederlande,
Dramaturgin und Übersetzerin

Bettina Hering, Schweiz, Österreich,
Schauspieldirektorin der Salzburger Festspiele (seit 2017), Dramaturgin und Regisseurin

Marius Ivaškevičius, Litauen,
Autor, Journalist, Dramatiker, Regisseur

Mel Kenyon, England,
Dramaturgin und Literaturagentin

Mateja Koležnik, Slowenien,
Regisseurin

Wolfgang Kralicek, Österreich,
Kritiker, Journalist

Christoph Lepschy, Österreich,
Dramaturg

Thomas Maagh, Deutschland
Lektor und Verleger

Kristina Matvienko, Russland,
Journalistin, Kritikerin, Kuratorin

Sir Brian John McMaster, England,
Leiter des Edinburgh International Festival (1991-2006), Künstlerischer Betriebsdirektor

Fefa Noia, Spanien,
Regisseurin und Autorin

Biljana Srbljanović, Serbien,
Schriftstellerin, Dramaturgin

Simon Strauß, Deutschland,
deutscher Historiker, Schriftsteller und Journalist (FAZ)

Nils Tabert, Deutschland,
Lektor, Verleger und Übersetzer

Itay Tiran, Israel,
Schauspieler und Regisseur

Krzysztof Warlikowski, Polen,
Regisseur

Franz Wille, Deutschland,
Kritiker Theater Heute
Die Mitglieder des internationalen Beirats durften nur Dramatiker:innen vorschlagen, mit denen sie in der letzten Zeit in keiner Arbeitsbeziehung standen.

Preisträger:innen 2020

Wajdi Mouawad © Simon Gosselin
Jasmine Lee-Jones © Helen Murray

Europäischer Dramatiker:innen Preis 2020 für Wajdi Mouawad

Der erste Preisträger des Europäischen Dramatiker:innen Preis war Wajdi Mouawad.

Jury-Vorsitzender Peter Michalzik zur Begründung: „Schon die Biografie – geboren im Libanon; Ausbildung und Erfolge als Autor, Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter in Kanada; seit 20 Jahren auch in Frankreich tätig, dort leitet er heute sehr erfolgreich das Théâtre National de la Colline in Paris – macht das große Spektrum und den weiten globalen Erfahrungshorizont von Wajdi Mouawad deutlich. In den Stücken werden die prägenden Wunden und Verletzungen der jüngeren Vergangenheit, vor allem im Nahen Osten, benannt und nacherlebbar. Diese Stücke sind oft Versuchsanordnungen der Versöhnung durch Wahrheit, seine Dramaturgie ist eine Dramaturgie der Heilung, die mit großen Geschichten, Schockmomenten und zugespitzten Konstellationen arbeitet. Mouawad schafft Szenen und Stücke von überwältigender dramatischer Wucht. Wahrheit und Lüge, Herkunft und Identität, Versöhnung und Feindschaft sind selten leidenschaftlicher und intensiver thematisiert worden. Mouawad ist ein ausgesprochen fruchtbarer und äußerst engagierter Dramatiker, dessen vielfältiges Werk deutlich in einem humanistischen Erbe wurzelt, das nicht auf Europa beschränkt bleibt. Außerdem ist er einer der meistgespielten Dramatiker unserer Zeit, seine Stücke wie Verbrennungen und Vögel sind auch formal Vorbilder geworden.“

Europäischer Nachwuchsdramatiker:innen Preis 2020 für Jasmine Lee-Jones

Alleinjuror der Auszeichnung war 2020 der britische Theaterautor Simon Stephens. Seine Wahl fiel auf die Dramatikerin Jasmine Lee-Jones:

„Jasmine Lee-Jones' Erstlingswerk Seven Methods of Killing Kylie Jenner (dt. Sieben Methoden, um Kylie Jenner töten) verblüffte mich, als ich es vor zwei Jahren das erste Mal las. Es war ein kurzes, zehnseitiges Stück voller Wut und Witz. Sie schrieb mit einem Funkeln und einem seltenen wie unwiderstehlichen Sinn für Grenzüberschreitung“, so Simon Stephens in seiner Begründung. „Sie hatte ein Stück aus einem eindrucksvollen Splitter in etwas vollendet ausgefertigtes und komplexes entwickelt. Sie schreibt voll formaler Innovation. Sie erschafft Figuren, die durchweg lebendig und überraschend sind. Ihre Sprache ist geschmeidig und wach. Ich liebe ihren Zorn. Ich liebe ihre Einsicht. Wenn wir wieder aus dieser seltsamen, traurigen COVID-Unterbrechung herauskommen, sind es Autor:innen wie Jasmine, die uns helfen, das Stückemachen neu zu prägen.“

Statements von Winfried Kretschmann, Theresia Bauer und Burkhard C. Kosminiski

Schirmherr des neuen Europäischen Dramatiker:innen Preises ist Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg:

„Mit der gezielten Würdigung von Kunst und Kultur in Form des neuen Preises setzen wir ein starkes und insbesondere auch europaweit wirkendes Signal. Die aktuelle politische Situation Europas wird durch die künstlerische Auseinandersetzung im Theater mit den Grundwerten wie Freiheit und Zusammengehörigkeit reflektiert und offengelegt. Dabei kommt der Gegenwartsdramatik eine hervorgehobene Rolle zu. Ich beglückwünsche das Schauspiel Stuttgart, dass es hier international Neuland betritt.“

Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg:

„Die Württembergischen Staatstheater stehen weltweit für herausragende Bühnenkunst. Länderübergreifende Koproduktionen, europäische Regisseur:innen und internationale Diskurse sind fester Bestandteil des Hauses und des Schauspiels Stuttgart. Hier bildet sich ab, was Europa ausmacht: der Reichtum unterschiedlicher Kulturen, Erzählungen und Geschichten. So war die Idee für einen Europäischen Dramatiker:innen Preis nur folgerichtig, schließlich fördert und festigt gerade die Auseinandersetzung mit europäischer Literatur das Verständnis zwischen den Kulturen. Durch die Auslobung dieses europäischen Preises kann das Land Baden-Württemberg seinem Anspruch als innovatives Kraftzentrum innerhalb Europas gerecht werden.“

Für Schauspielintendant und Initiator Burkhard C. Kosminski verbindet der Europäische Dramatiker:innen Preis zwei Kernpunkte des Schauspiels Stuttgart - das zeitgenössische Autorentheater und die internationale Ausrichtung:

„Europa ist reich an unterschiedlichen Kulturen – und wo werden diese so kraftvoll und lebendig wie im Theater? Gerade zeitgenössische Dramatiker:innen entfalten in ihren Werken die faszinierende Vielfalt Europas und konfrontieren uns mit den gesellschaftlichen Bruchstellen und unterschiedlichen Lebensrealitäten. Trotzdem gab es bisher keinen europäischen substantiellen Preis für Dramatik, der es Autor:innen erlaubt, mit finanzieller Unabhängigkeit und frei von konkreten Theateraufträgen zu schreiben. Der Europäische Dramatiker:innen Preis war also mehr als überfällig, und ich bin dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, dem Ministerpräsidenten, der SRH Holding und dem Förderverein der Staatstheater sehr dankbar, dass sie das Vorhaben von Anfang an unterstützt und mit auf den Weg gebracht haben.“

Festwochenende im Schauspiel Stuttgart: 08. bis 10. Okt 21

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten das Festwochenende und die Preisverleihung 2020 auf 2021 verschoben werden.

Seuls

von und mit Wajdi Mouawad
Eine Produktion des Théâtre national de la Colline
Rückblick

Matinee mit Wajdi Mouawad

Moderation: Peter Michalzik
Rückblick

Panel: Rewriting Europe

mit Barbara Engelhardt, Oliver Frljić und Simon Stephens
Rückblick

Jurys und internationaler Beirat 2020

Jurymitglieder Hauptpreis:

Barbara Engelhardt
Intendantin Theater Maillon, Straßburg

Peter Kümmel
Theaterkritiker und Redakteur im Feuilleton der Wochenzeitung Die Zeit

Peter Michalzik
Autor, Juryvorsitzender

Petra Olschowski
Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Thomas Ostermeier
Regisseur und Künstlerischer Leiter der Schaubühne Berlin
Alleinjuror Nachwuchspreis:

Simon Stephens
britischer Dramatiker
Internationaler Beirat (Hauptpreis):

Vincent Baudriller, Frankreich,
Direktor des internationalen Festival d’Avignon, seit 2013 Leitung Théâtre de Vidy in Lausanne

Calixto Bieito, Spanien,
Regisseur und künstlerischer Leiter des Teatro Arriaga, Bilbao

Karen-Maria Bille, Dänemark,
Dramaturgin und Übersetzerin

Stefan Bläske, Belgien,
Dramaturg

Stefanie Carp, Deutschland,
Intendantin der Ruhrtriennale 2018-2020 und Dramaturgin

Ebru Nihan Celkan, Türkei,
Autorin und Dramatikerin

Constantin Chiriac, Rumänien,
Präsident des Sibiu International Theatre Festivaly, Geschäftsführer des Radu Stanca National Theatre, Sibiu, Rumänien

Maria Delgado, England, Spanien,
Dramaturg, Journalist, Autor (Theater der Zeit)

Roman Dolschanskiy, Russland,
Regisseur und Dramaturg

Magnus Florin, Schweden,
Schriftsteller, Regisseur und Dramaturg

Oliver Frljić, Bosnien,
Regisseur

Bettina Hering, Schweiz, Österreich,
Schauspieldirektorin der Salzburger Festspiele (seit 2017), Dramaturgin und Regisseurin

Wolfgang Höbel, Deutschland
Journalist (DER SPIEGEL)

Marius Ivaškevičius, Litauen,
Autor, Journalist, Dramatiker, Regisseur

Mateja Koležnik, Slowenien,
Regisseurin

Wolfgang Kralizek, Deutschland,
Kritiker, Journalist

Kristina Matvienko, Russland,
Journalistin, Kritikerin, Kuratorin

Sir Brian John McMaster, England,
Leiter des Edinburgh International Festival (1991-2006), Künstlerischer Betriebsdirektor

Biljana Srbljanović, Serbien,
Schriftstellerin, Dramaturgin

Simon Strauß, Deutschland,
deutscher Historiker, Schriftsteller und Journalist (FAZ)

Itay Tiran, Israel,
Schauspieler, Regisseur

Krzysztof Warlikowski, Polen,
Regisseur

Franz Wille, Deutschland,
Kritiker Theater Heute
Die Mitglieder des internationalen Beirats durften nur Dramatiker:innen vorschlagen, mit denen sie in der letzten Zeit in keiner Arbeitsbeziehung standen.