"Wir gingen ins Exil wie entthronte Könige"

Deutsch-jüdische Theaterkünstler:innen nach 1933
Eintritt frei
https://www.schauspiel-stuttgart.de/ Schauspiel Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart
Mi – 09. Nov 22, 18:30
Foyer Schauspielhaus
Ausstellungseröffnung
Mi – 09. Nov 22

Karten
https://www.schauspiel-stuttgart.de/ Schauspiel Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart
„Wir gingen ins Exil wie entthronte Könige“, schrieb der erfolgreiche Schauspieler und Regisseur Berthold Viertel. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten kam es zur Vertreibung der „nichtarischen“ Künstler:innen aus den deutschen Theatern. Jüdische Schauspieler:innen wurden verfolgt, in Konzentrationslagern interniert und ermordet (so z. B. Kurt Gerron und Fritz Grünbaum). Einige nahmen sich aus Verzweiflung das Leben. Fritz Wisten, von 1921 bis 1933 in mehr als 200 Rollen am Stuttgarter Landestheater zu sehen und vom Württembergischen Kultusministerium als „Staatsschauspieler“ ausgezeichnet, wurde fristlos entlassen; er überlebte in Berlin Dank einer „privilegierten Mischehe“ (seine Frau war „arisch“). Schätzungsweise gingen etwa 420 Bühnenautor:innen und 4.000 Theaterschaffende nach Hitlers Machtergreifung ins Exil. Einer von ihnen war Leopold Jessner, Intendant des Staatlichen Schauspielhauses in Berlin (1919-1928), neben Max Reinhardt der bedeutendste Regisseur der Weimarer Republik.
Nach dem Krieg kehrten schätzungsweise 200 Theaterkünstler:innen nach Deutschland zurück. So gelang Fritz Kortner zu der Einsicht, dass Heimat nicht unbedingt geographisch zu verorten sei; er war es auch, der den Begriff „Sprachheimat“ prägte.
Zwar gelang es der Mehrzahl der dauerhaften Rückkehrer:innen, wieder Fuß im deutschen Theaterleben zu fassen, mit unterschiedlichem Erfolg; doch zugleich erwies sich für viele Remigrant:innen die Rückkehr auch als eine große Heraus- und mitunter Überforderung: Denn es gab Widerstände, sogar Neid seitens der Kolleg:innen. Selbst wenn sich diese Hürden überwinden ließen, war es oftmals unmöglich, bruchlos wieder dort anzuknüpfen, wo die Karriere 1933 ein jähes Ende gefunden hatte. Manche Wunde verheilte nie.
An einige, heute noch bekannte oder inzwischen weitgehend in Vergessenheit geratene Schicksale soll die Ausstellung im Schauspiel Stuttgart – die selbstverständlich nur eine kleine Auswahl sein kann – mit Fotos aus dem Archiv der Akademie der Künste in Berlin erinnern.
Im Rahmen von 30 Tage im November - Vom Wert der Menschenrechte und der Jüdischen Kulturwochen 2022