Extrem laut und unglaublich nah

von Jonathan Safran Foer
Deutsch von Henning Ahrens
Ein Live-Hörspiel
Schauspielhaus
Dauer – ca. 2 Std, keine Pause
Wiederaufnahme
zweite Hälfte der Spielzeit 2020/21
Jonathan Safran Foer erzählt in seinem Roman die Geschichte des neunjährigen Jungen Oskar Schell und seiner Familie, der nach dem Tod seines Vaters mit seinem Tamburin durch New York läuft, auf der Suche nach einem Türschloss, in das ein geheimnisvoller Schlüssel aus den Hinterlassenschaften des Vaters passen könnte. Auf dieser Odyssee begegnet Oskar, der den Grund für den sinnlosen Tod des Vaters herausfinden will, vielen ungewöhnlichen Menschen und gerät in aberwitzige Abenteuer. Verbunden mit Oskars Geschichte ist die seiner deutschen Großeltern, die nach der Bombardierung Dresdens nach New York geflüchtet sind.

Premiere: So – 21. Jun 20
Mitarbeit Bühne
Mitarbeit Kostüme
Barbara Kiss
Musik
Ton
Tim Heumesser, Frank Bürger
Licht
Sebastian Isbert
Dramaturgie

Pressestimmen

Stuttgarter Zeitung
Tim Schleider, 23. Jun 20
"Schier überwältigt sind die rund 90 Zuschauer nach der Premiere des "Livehörspiels" … – da wird final geklatscht, als wäre das Haus rappelvoll und die Inszenierung ganz normal. Aber Letzteres ist der Regisseurin Bernadette Sonnenbichler eben auch wirklich gelungen: Schon nach wenigen Minuten dieser absolut kurzweiligen zwei Stunden hat der Zuschauer vergessen, wie ungewöhnlich das Setting da vor ihm auf der Bühne ist...."

"Jonathan Safran Foer hat diesen wunderbaren Roman 2005 veröffentlicht – als Geschichte über den verzweifelten Versuch, einer Katastrophe nachträglich irgendeinen Sinn zu verleihen. Das passt dann doch erstaunlich gut auch in unsere aktuelle Lage. Und es begeistert vor allem wegen der vier zum Niederknien guten Schauspieler Gabór Biedermann, Christiane Roßbach, Michael Stiller und, ganz ein bisschen vor allem, weil in der Rolle des Jungen, Felix Strobel. Begleitet werden sie ebenso diskret wie wirkungsvoll vom Theatermusiker Max Braun."

"Zum Schluss ist man nicht nur gerührt über das Ende der Geschichte von Foer, sondern vor allem darüber, dass man sie wieder leibhaftig vor sich hat, die Spieler, die uns wirklich bewegen können."

Zur vollständigen Kritik
Rhein-Neckar-Zeitung
Heribert Vogt, 23. Jun 20
"Aber trotz aller strengen Verhaltensregeln vergaß man diese doch rasch und verfiel dem ewigen Zauber der Bühne. Denn dort war in der Inszenierung von Bernadette Sonnenbichler ein faszinierendes "Live-Hörspiel" … zu sehen. Das pralle, fast platzende, brutale, jedoch auch herrliche Leben des neunjährigen Oskar in New York … sog auch der Theaterzuschauer in vollen Zügen ein. Und dies, obwohl das Bühnengeschehen recht minimalistisch und statisch gestaltet war. … Aber die frontal zum Publikum stehenden Darsteller durchbrachen diese Begrenzungen mit voller theatraler Wucht. Hier ist … in den Parts der Darsteller Gábor Biedermann, Christiane Roßbach, Michael Stiller und Felix Strobel sehr viel zu sehen, vor allem Mimik und Gestik – ganz besonders bei der Zeichnung des so vitalen wie psychisch verletzten Oskar."

"Das alles bringen die Bühnenakteure fesselnd über die Rampe. Aber besonders hervorheben sollte man doch die beschädigte Restfamilie mit Oskar (Felix Strobel) und seiner Mutter (Christiane Roßbach), deren inneres Gleichgewicht in all den Turbulenzen erheblich ins Wanken gerät, aber durch unerschütterliche Liebe doch wieder stabilisiert werden kann. … Und das ist ein so "extrem lautes und unglaublich nahes" Abenteuer, das die wenigen Zuschauer im Saal glatt aus ihrer Corona-Lethargie riss. Es war ein Weckruf, nach all der Isolation wieder in die phantastische Welt des Theaters einzutauchen, wenn auch mit aller gebotener Vorsicht. – Begeisterter Applaus."

Online Merker
Alexander Walther, 22. Jun 20
"In der durchaus subtilen Inszenierung von Bernadette Sonnenbichler und mit der intensiven Musik von Max Braun gewinnt diese von vielen unterschiedlichen Geräuschen lebende Aufführung … an Leben. … Ergreifend ist außerdem die Geschichte seiner [Oscars] deutschen Großeltern, die nach der Bombardierung Dresdens nach New York geflüchtet sind. Diese unheimliche und grauenvolle Bombardierung gerät aufgrund raffinierter Geräuschkulissen überhaupt zum Höhepunkt der gesamten Inszenierung. Dabei sind die Darsteller Gábor Biedermann, Christiane Roßbach, Michael Stiller und Felix Strobel dem Publikum wirklich "unglaublich nah"."
Zur vollständigen Kritik