Romeo und Julia

von William Shakespeare
Deutsch von Sven-Eric Bechtolf und Wolfgang Wiens
Schauspielhaus
Dauer – ca. 1:30 Std, ohne Pause

Wiederaufnahme
Spielzeit 2019/20
Am Grab ihrer Kinder reichen sich zwei verfeindete Familien die Hand zur Versöhnung. Mit dieser Utopie endet die berühmteste Liebestragödie aller Zeiten. Wie wahrscheinlich ist dieses Szenario in einer Welt, in der jahrelange Bürgerkriege toben, Menschen aufgrund ihrer Herkunft verfolgt und getötet werden und Hass stets neuen Hass gebiert?
Auf einem Fest trifft Romeo aus dem Hause Montague auf Julia Capulet. Eine große Liebe entbrennt, eine heimliche Hochzeit folgt. Doch die Wirklichkeit holt die beiden ein. In einem Streit tötet Romeo Tybalt, ein Mitglied des Capulet-Clans, und wird aus Verona verbannt. Unterdessen soll Julia mit dem Grafen Paris verheiratet werden. Um dies zu verhindern, wird ein komplizierter Plan entworfen, der jedoch scheitert.
Liebe war vielleicht niemals gleichzeitig so blind und so visionär wie im Fall von Romeo und Julia. Einerseits ist diese Liebe nicht in der Lage, ihren tragischen Ausgang vorauszusehen, den Tod zweier junger Menschen. Andererseits versöhnt sie scheinbar Unversöhnliches: einen tief empfundenen Hass, dessen Wurzeln niemand mehr kennt und der nicht hinterfragt wird. Welches Prinzip „Romeo und Julia“ könnte die Welt befrieden, in der wir heute leben, in der Tropfen geschmolzenen Hasses die Seelen vergiften und immer neues Unheil stiften?

Premiere: Sa – 24. Nov 18
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Licht
Jörg Schuchardt
Dramaturgie

Pressestimmen

Deutschlandfunk Kultur heute
Cornelie Ueding, 25. Nov 18
"'Romeo und Julia' setzt in der Stuttgarter Inszenierung von Oliver Frljić auf Shakespeare pur und gewinnt: Sichtbar werden erschreckend zeitlose Familienpathologien, Fragen der sexuellen Identität, starke patriarchalische Machtstrukturen und – die Nachtseite der Liebe."
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Die deutsche Bühne
Manfred Jahnke, 25. Nov 18
"Im Großen wie im Kleinen findet Frljić großartige Bilder. … Zusammen mit den Renaissance-Kostümen von Sandra Dekanić ergeben sich im Zusammenspiel von Licht und Bild wunderschöne geheimnisvolle Bilder, die sich noch steigern, wenn im Spiegel sich die Figuren in schönen Bildern vermehren."

„Wenn Liebe und Tod schon immer mythologisch eng verbunden sind, wird das hier konkret …: Nicht nur die Rache, auch der Narziss verhindern das Paradies. Das zu spielen, gelingt Nina Siewert als Julia mit herbem Charme, großen körperlichen Einsatz und Bitternis. Jannik Mühlenweg spielt den Romeo als Getriebenen, der seine eigene Identität noch nicht gefunden hat. …eine ganz und gar heutige Untersuchung über das Bild des Narziss. Eine mitreißende Inszenierung."

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Südwest Presse
Otto Paul Burkhardt, 27. Nov 18
"Ein makabres Gespenster-Ballett zu dröhnenden Rocksounds, mit grotesken Fabelwesen à la Hieronymus Bosch. Ein starker Beginn – umgestellt, neu bebildert, aber texttreu. … eins muss man Frljić lassen: Er packt zu und findet bizarre Bilder."

"Frljić zeigt in beklemmenden Szenen, wie Romeo (Jannik Mühlenweg) und Julia (Nina Siewert) vom Machtkampf ihrer Eltern kaputt gemacht werden. ... [Er] erzählt Shakespeare wort- und sogar recht kostümgetreu, aber streitbar neu, mit anderen Akzenten und teils spektakulären Bildideen. Am Ende gibt’s dann doch einen Fremdtext-Satz von Heiner Müller: "Das Herz ist ein geräumiger Friedhof." Kein Buh, viel Beifall."

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Deutschlandfunk FAZIT
Rainer Zerbst, 24. Nov 18
"[Diese Inszenierung] ist so vielschichtig, dass man sich eigentlich hinterher fragt: Habe ich das Stück überhaupt schon jemals so gesehen? … All das sind Komponenten, die nicht unbedingt notwendig sind, aber die das Bild runden und zu einem ganz spannenden, aufregenden Psychodrama machen."
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Kulturblog
Rainer Zerbst, 25. Nov 18
"Frljićs Erzählweise in Einzelsituationen macht deutlich, wie vielschichtig Shakespeares Tragödien gebaut sind. … Und zu vielen einzelnen Handlungskomponenten findet der Regisseur eindrucksvolle Bilder."

"Frljićs Inszenierung ist Regietheater. … Aber dieses Regietheater macht sich … das Stück nicht untertan, es ist vielmehr dem Stück dienlich, weil es Hintergründe und Tiefendimensionen sichtbar macht, die bei einer herkömmlichen Inszenierung im Unklaren bleiben würden. Romeo und Julia müssen untergehen, die so populäre Feindschaft zwischen ihren Familien ist dabei nur ein Grund, und nicht einmal unbedingt der wesentlichste."

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Bayerischer Rundfunk
Christoph Leibold, 25. Nov 18
"Um den Bruch mit Normen geht es Oliver Frljić auch in "Romeo und Julia" in seiner zupackenden, oft auch packenden Inszenierung. Er zeigt die Liebe zweier junger Menschen vor allem als Aufbegehren gegen die Gesellschaft… Insgesamt entfaltet die Aufführung so ihren eigenen, reizvollen Rhythmus."

"Dass [Oliver Frljić] … einem überstrapazierten Spielplan-Klassiker überraschende Aspekte abzugewinnen vermag, macht diesen Abend überaus anregend."

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Süddeutsche Zeitung
Ekaterina Kel, 28. Nov 18
"Frljić überrascht mit einer fein durchdachten Erzähllogik, die eher Bildern und Assoziationen folgt, und sich vollkommen aus dem Konkreten zurückzieht. … [Er] widmet sich dem Ungesagten und Ungeschriebenen des Dramas. Er hat die Sätze in der Vorlage auseinandergepflückt, umstrukturiert, manche durch Wiederholungen ausgedehnt, andere multipliziert, indem er sie verschiedenen Figuren in den Mund gelegt und den Rest gestrichen hat. ... Mit seinen Eingriffen riskiert er den Sinnverlust. Aber er kehrt auch viel ans Licht. Die verliebten Todgeweihten spielen viel, ohne, dass der Text ihnen das vorgibt. … Frljić erzählt auch viel über familiäre Gewalt: Die Mutter, die kein Nein akzeptiert und den zukünftigen Schwiegersohn mästet, und der Vater, der nichts anderes weiß, als seine Tochter herumzuschubsen, werden als herzlose Machtmenschen gezeigt. Patriarchale Gewalt gibt es zu jeder Zeit, an jedem Ort."

"Das herrliche Duett von Benvolio und Mercutio, das die beiden [Valentin Richter und Christoph Jöde] höchst unterhaltsam spielen, wird von Frljić zum komödiantischen Nebenschauplatz erhoben."

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Nachtkritik.de
Thomas Rothschild, 24. Nov 18
"Frljić macht ein sinnliches, meist exaltiertes, eklektisches, von Kunstwillen regiertes Bildertheater…"

"Überhaupt arbeitet er die gemeinhin zugunsten der Tragik und der Lyrismen unterdrückten komischen Aspekte des Stücks heraus. … Die Bilder in dieser Inszenierung ergeben sich jedoch, anders als in zurzeit beliebten Installationen, aus dem Geschehen. Sie stellen nicht bloß einen Rahmen bereit."

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Rhein-Neckar-Zeitung
Heribert Vogt, 26. Nov 18
"Warum [Romeo und Julia] in dieser Welt keine Chance haben, warum die Liebe in dieser dunklen Welt nicht glückt, dem geht dieser Abend in einer großartigen Theatersprache nach."

"Insgesamt ein grandioses, überzeitliches Theatergemälde zwischen Himmel und Hölle, in dem die dunkle Seite der Macht gewinnt – und deshalb verliert. Fesselnde Aufführung, begeisterter Applaus."

Mannheimer Morgen
Monika Köhler, 27. Nov 18
"Ausgehend vom Tod der beiden unglücklich Liebenden, machen starke sinnliche Eindrücke und Symbole das in Rückblenden erzählte packende Spiel des zwölfköpfigen Ensembles … in renaissancehaften Kostümen (Sandra Dekanić) zu einem traumbildhaften, fast cineastischen Erlebnis. … Für magische Momente sorgen Spiegel, die die Darsteller in den Hintergrund hinein vervielfältigen."

"Jannik Mühlenwegs (Romeo) langer wissender Blick auf die Holzsärge, die bei Frljić als Vorboten des Todes stets präsent sind, gehör zu den eindringlichsten Momenten."

Ludwigsburger Kreiszeitung
Arnim Bauer, 26. Nov 18
"Dazu bedient [Oliver Frljić] sich … eines fast schon spektakulären Bildertheaters, wenn er etwa beim Fest … eine auf einem hohen Gestell platzierte Sängerin "Killing me softly" singen lässt. Und fast schon genial sind die menschlichen Fabel- und Tierfiguren, die der Hölle von Hieronymus Boschs "Garten der Lüste" entstiegen sind. Sie steigern das sinnliche Erleben ebenso wie der Auftritt der Julia in einem der Särge, der zur Badewanne mutiert, aus dem Julia als Venus dem Schaumbad entsteigt. Dieses bildhafte Theater ist wohl das vordergründig Beste an dieser Inszenierung."

"Und auf [Shakespeares] Pfaden wandelt jetzt Frljić, der seine eigene Story zimmert. Bunt, oftmals durchaus auch lustig, wenn die als Spaßmacher angelegten Mercutio und Benvolio für Lacher sorgen, wenn das bunte Treiben in den spannenden Bildern sich geradezu explosionsartig entlädt. Aber es ist beileibe auch keine trashige Klamaukoper, die der kroatische Regisseur da auf die Bühne zaubert. Dafür sorgt schon der Schluss, bei dem er alles Tempo herausnimmt, jede Buntheit meidet und in einem beeindruckenden Dialog zwischen Romeo und Julia … plötzlich sehr ernst wird, die ursprüngliche Story sanft aber bestimmt korrigiert…."

"Am Ende sind [Romeo und Julia] im Tod alleine und ein letztes Glück für Inszenierung und Zuschauer ist, dass Nina Siewert und Jannik Mühlenweg in allen Facetten und Situationen der Hauptrollen in einem erfreulich homogenen Ensemble wirklich Spitzenklasse zeigen."

SWR2
Christian Gampert, 26. Nov 18
"Der sehnige Jannik Mühlenweg und die fordernde, ständig fallende, mit ihrer Kurzhaarfrisur wie eine Jeanne d’Arc der Leidenschaften agierende Nina Siewert spielen am Schluss eine beklemmend lange, intensive, fast sprachlose Szene, in der sie das "Liebst du mich?" immer wieder in eine ausweglose, animalische Köperlichkeit übersetzen. Die ständig wiederholten, bisweilen nervenden Signalsätze der Inszenierung bekommen hier auf einmal einen Sinn, weil sie in einer Szene purer Liebesverzweiflung münden. Wegen dieser einen, unendlich langen Szene lohnt sich die ganze Aufführung."
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Stuttgarter Nachrichten
Nicole Golombek, 25. Nov 18
"Das bietet sich bei Shakespeare an, der so viele Szenen für Randfiguren erfunden hat. Die poetische Traumgeschichte etwa. Hier erzählen die Freunde von Romeo, Mercutio und Benvolio (Christoph Jöde und Valentin Richter) von Feen, die Verliebte von der Liebe träumen lassen. Sie stehen vorne an der Bühne, beleuchten mit kleinen Lampen ihre Gesichter, einer imitiert und stört den anderen. Zugleich lassen die tölpelhaften Gesellen Shakespeares hinreißende Fantasiegestalten allein durch schöne Rede lebendig werden."
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Frankfurter Rundschau
Judith von Sternburg, 28. Nov 18
"Theatermacher Oliver Frljic riskiert einen ungewöhnlichen Blick auf "Romeo und Julia". Das Beste kommt am Anfang. Zwei Verdrehungen, eine inhaltliche und eine zeitliche. Romeo und Tybalt rempeln, küssen, würgen,. Entblößen sich und sprechen und schreien von Liebe, aber nicht, weil der eine Julia und darum auch ihren Verwandten liebt und der andere das Wort ironisch verwendet, sondern weil sie einander lieben. Das ist mit Blick auf den Text eine wirklich kecke Klitterung …, aber es hat seine Reize – zumal ein Übermaß an Hass immer die Sehnsucht nach tiefergehenden Erklärungen weckt."

"Das Ensemble: erneut beschwingt, fit, mit einem grandiosen Clownspärchen (Christoph Jöde und Valentin Richter)."

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Südkurier
Johannes Bruggaier, 26. Nov 18
"Bühnenbildner Igor Pauška findet für diesen familiären Alptraum eindrucksvoll surreale Bilder. Spiegel, in denen die Figuren ihre ärgsten Verfolger erblicken. Kirchengebäude, die auf der Bühne zu Gefängnissen mutieren."

"Nina Siewerts Julia … überzeugt als eine Frau, die sich von den familiären Umständen zur Liebe getrieben sieht. Großartig auch Klaus Rodewald als starrsinnig auf seinen Plänen beharrender Vater Capulet."

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Stuttgarter Zeitung
Mirko Weber, 25. Nov 18
"Shakespeare bleibt es, bis auf minimale Ergänzungen, immer. Allerdings Shakespeare mit anders verteilten Rollen und gewissermaßen "gegendert"."
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