Europäischer Dramatiker:innen Preis

Laudatoren: Thomas Maagh (Verlag der Autoren)
und Simon Stephens (Autor, Juror)

Auf Deutsch, Französisch und Englisch mit Simultanübersetzung
Schauspielhaus
Preisverleihung
So – 10. Okt 21

Rückblick

Seuls

von und mit Wajdi Mouawad
Eine Produktion des Théâtre national de la Colline
Rückblick

Matinee mit Wajdi Mouawad

Moderation: Peter Michalzik
Rückblick

Panel: Rewriting Europe

mit Barbara Engelhardt, Oliver Frljić und Simon Stephens
Rückblick
Das Schauspiel Stuttgart vergab 2020 erstmals den Europäischen Dramatiker:innen Preis. Die vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg geförderte und mit 75.000 Euro dotierte Auszeichnung ehrt eine:n europäische:n Dramatiker:in für ein herausragendes Gesamtwerk. Der Europäische Dramatiker:innen Preis ist der erste hochkarätige Preis, der die dramatische Kunst in Europa in all ihrer Vielfalt in den Blick nimmt und sie als verbindendes Element zwischen den europäischen Kulturen versteht. Neben dem Hauptpreis verleiht das Schauspiel Stuttgart zudem den Europäischen Nachwuchsdramatiker:innen Preis, der mit 25.000 Euro dotiert ist und von der SRH Holding gefördert wird. Die Preisverleihung wird begleitet durch künstlerische Beiträge und Diskussionen, außerdem zeigen wir die Stuttgarter Premiere von Seuls, von und mit Wajdi Mouawad, eine Produktion des Théâtre national de la Colline.

1. Europäischer Dramatiker:innen Preis für Wajdi Mouawad

Erster Preisträger des Europäischen Dramatiker:innen Preis ist Wajdi Mouawad.

Jury-Vorsitzender Peter Michalzik zur Begründung: „Schon die Biografie – geboren im Libanon; Ausbildung und Erfolge als Autor, Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter in Kanada; seit 20 Jahren auch in Frankreich tätig, dort leitet er heute sehr erfolgreich das Théâtre National de la Colline in Paris – macht das große Spektrum und den weiten globalen Erfahrungshorizont von Wajdi Mouawad deutlich. In den Stücken werden die prägenden Wunden und Verletzungen der jüngeren Vergangenheit, vor allem im Nahen Osten, benannt und nacherlebbar. Diese Stücke sind oft Versuchsanordnungen der Versöhnung durch Wahrheit, seine Dramaturgie ist eine Dramaturgie der Heilung, die mit großen Geschichten, Schockmomenten und zugespitzten Konstellationen arbeitet. Mouawad schafft Szenen und Stücke von überwältigender dramatischer Wucht. Wahrheit und Lüge, Herkunft und Identität, Versöhnung und Feindschaft sind selten leidenschaftlicher und intensiver thematisiert worden. Mouawad ist ein ausgesprochen fruchtbarer und äußerst engagierter Dramatiker, dessen vielfältiges Werk deutlich in einem humanistischen Erbe wurzelt, das nicht auf Europa beschränkt bleibt. Außerdem ist er einer der meistgespielten Dramatiker unserer Zeit, seine Stücke wie Verbrennungen und Vögel sind auch formal Vorbilder geworden.“

Der Jury für den 1. Europäischen Dramatiker:innen Preis 2020 gehören an: Barbara Engelhardt (Intendantin Theater Maillon, Straßburg), Peter Kümmel (Theaterkritiker und Redakteur im Feuilleton der Wochenzeitung Die Zeit), Peter Michalzik (Autor, Juryvorsitzender), Petra Olschowski (Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg) und Thomas Ostermeier (Künstlerischer Leiter der Schaubühne Berlin und Regisseur).

Der Europäische Dramatiker:innen Preis wird künftig alle zwei Jahre vom Schauspiel Stuttgart verliehen. Um die Transparenz und Objektivität des Auswahlprozesses zu gewährleisten, wird der:die Preisträger:in in einem zweistufigen Auswahlverfahren ermittelt: Zunächst schlägt ein international besetzter Beirat Dramatiker:innen für die Longlist vor. Voraussetzungen für einen Vorschlag sind die hohe literarische, dramatische und theatrale Qualität des Werks und eine hervorragende Reputation des:der Dramatiker:in. Zudem muss das Werk in mehrere Sprachen übersetzt sein und in verschiedenen europäischen Ländern gespielt werden. 2020 umfasste der Beirat 23 Regisseur:innen, Autor:innen, Theaterleiter:innen, Dramaturg:innen und Theaterkritiker:innen aus 18 europäischen Ländern. Ausgehend von der Longlist des Beirats (2020: 44 Dramatiker:innen aus 17 europäischen Ländern) bestimmt die unabhängige Jury zunächst eine Shortlist von 8 Dramatiker:innen und schließlich den:die Preisträger:in.

Jasmine Lee-Jones erhält 1. Nachwuchsdramatiker:innen Preis

Neben dem Hauptpreis verleiht das Schauspiel Stuttgart zudem einen Europäischen Nachwuchsdramatiker:innen Preis. Alleinjuror der Auszeichnung in Höhe von 25.000 € ist in diesem Jahr der britische Theaterautor Simon Stephens. Seine Wahl fiel auf die Dramatikerin Jasmine Lee-Jones.

„Jasmine Lee-Jones' Erstlingswerk Seven Methods of Killing Kylie Jenner (dt. Sieben Methoden, um Kylie Jenner töten) verblüffte mich, als ich es vor zwei Jahren das erste Mal las. Es war ein kurzes, zehnseitiges Stück voller Wut und Witz. Sie schrieb mit einem Funkeln und einem seltenen wie unwiderstehlichen Sinn für Grenzüberschreitung“, so Simon Stephens in seiner Begründung. „Sie hatte ein Stück aus einem eindrucksvollen Splitter in etwas vollendet ausgefertigtes und komplexes entwickelt. Sie schreibt voll formaler Innovation. Sie erschafft Figuren, die durchweg lebendig und überraschend sind. Ihre Sprache ist geschmeidig und wach. Ich liebe ihren Zorn. Ich liebe ihre Einsicht. Wenn wir wieder aus dieser seltsamen, traurigen COVID-Unterbrechung herauskommen, sind es Autor:innen wie Jasmine, die uns helfen, das Stückemachen neu zu prägen.“

Die britische Autorin und Schauspielerin Jasmine Lee-Jones wurde 1998 in Nord-London geboren und absolvierte 2019 das BA Acting-Programm der Guildhall School. Ihr Debüt-Stück Sieben Methoden, um Kylie Jenner zu töten wurde im Juli 2019 am Royal Court Theatre in London uraufgeführt, und sie gewann damit den Stage Debut Award als beste Dramatikerin sowie den Alfred Fagon Award für das beste neue Stück. Jasmine Lee-Jones erhielt außerdem den Evening Standrad Theatre und den Critics‘ Ciorle Theatre 2020 Award als vielversprechendste Dramatikerin. Für die renommierten Olivier Awards 2020 war sie ebenfalls mit Sieben Methoden, um Kylie Jenner zu töten nominiert.

Der Europäische Nachwuchsdramatiker:innen Preis wird von der SRH Holding (SdbR) gefördert. Der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Christof Hettich: „Der SRH liegen die Themen Bildung und Gesundheit sowie die Weiterentwicklung der Gesellschaft sehr am Herzen – und Kunst und Kultur sind dafür entscheidende Motoren auf nationaler wie auf europäischer Ebene. Insbesondere junge Künstler:innen analysieren mit einem frischen und kritischen Blick unsere Gegenwart und formulieren klar und mutig, wo es Veränderungen braucht. Gerade der Nachwuchs macht uns dabei immer wieder deutlich, dass wir uns mit dem Status quo nicht zufriedengeben dürfen. Wir freuen uns daher ganz besonders, mit der Förderung des Nachwuchs Dramatiker:innen Preises junge talentierte Dramatiker:innen auf ihrem Weg zu unterstützen.“
Die Schirmherrschaft für den Europäischen Dramatiker:innen Preis übernimmt Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg.
Der Europäische Dramatiker:innen Preis wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und dem Förderverein der Staatstheater Stuttgart e.V. gefördert.
Der Europäische Nachwuchsdramatiker:innen Preis wird von der SRH Holding (SdbR), Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Christof Hettich, gefördert.

Statements von Winfried Kretschmann, Theresia Bauer und Burkhard C. Kosminiski

Schirmherr des neuen Europäischen Dramatiker:innen Preises ist Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg. „Mit der gezielten Würdigung von Kunst und Kultur in Form des neuen Preises setzen wir ein starkes und insbesondere auch europaweit wirkendes Signal“, sagte Kretschmann am Mittwoch in Stuttgart. „Die aktuelle politische Situation Europas wird durch die künstlerische Auseinandersetzung im Theater mit den Grundwerten wie Freiheit und Zusammengehörigkeit reflektiert und offengelegt. Dabei kommt der Gegenwartsdramatik eine hervorgehobene Rolle zu. Ich beglückwünsche das Schauspiel Stuttgart, dass es hier international Neuland betritt.“

Gefördert wird der Preis vom baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und dem Förderverein der Württembergischen Staatstheater e.V.. „Die Württembergischen Staatstheater stehen weltweit für herausragende Bühnenkunst. Länderübergreifende Koproduktionen, europäische Regisseur:innen und internationale Diskurse sind fester Bestandteil des Hauses und des Schauspiels Stuttgart“, sagte Baden-Württembergs Kunstministerin Theresia Bauer. „Hier bildet sich ab, was Europa ausmacht: der Reichtum unterschiedlicher Kulturen, Erzählungen und Geschichten. So war die Idee für einen Europäischen Dramatiker:innen Preis nur folgerichtig, schließlich fördert und festigt gerade die Auseinandersetzung mit europäischer Literatur das Verständnis zwischen den Kulturen. Durch die Auslobung dieses europäischen Preises kann das Land Baden-Württemberg seinem Anspruch als innovatives Kraftzentrum innerhalb Europas gerecht werden.“

Für Schauspielintendant und Initiator Burkhard C. Kosminski verbindet der Europäische Dramatiker:innen Preis zwei Kernpunkte des Schauspiels Stuttgart: das zeitgenössische Autorentheater und die internationale Ausrichtung. „Europa ist reich an unterschiedlichen Kulturen – und wo werden diese so kraftvoll und lebendig wie im Theater? Gerade zeitgenössische Dramatiker:innen entfalten in ihren Werken die faszinierende Vielfalt Europas und konfrontieren uns mit den gesellschaftlichen Bruchstellen und unterschiedlichen Lebensrealitäten. Trotzdem gab es bisher keinen europäischen substantiellen Preis für Dramatik, der es Autor:innen erlaubt, mit finanzieller Unabhängigkeit und frei von konkreten Theateraufträgen zu schreiben. Der Europäische Dramatiker:innen Preis war also mehr als überfällig, und ich bin dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, dem Ministerpräsidenten, der SRH Holding und dem Förderverein der Staatstheater sehr dankbar, dass sie das Vorhaben von Anfang an unterstützt und mit auf den Weg gebracht haben.“

Preisverleihung im Schauspiel Stuttgart

Die Preisverleihung des Europäischen Dramatiker:innen Preises an Wajdi Mouawad und des Europäischen Nachwuchsdramatiker:innen Preises an Jasmine Lee-Jones findet im Schauspielhaus statt. Auf Einladung des Schauspiels Stuttgart wird sich zudem das Citizen.KANE.Kollektiv mit dem Werk von Wajdi Mouawad auseinandersetzen.
Ursprünglich war die Preisverleihung als Auftakt der Europäischen Theatertage „Writing Europe“ am Schauspiel Stuttgart geplant gewesen. Corona-bedingt musste das Festival mit internationalen Gastspielen und Vorstellungen des Europa Ensembles auf Oktober 2021 verschoben werden.
Wajdi Mouawad © Simon Gosselin
Jasmine Lee-Jones © Helen Murray

Der internationale Beirat 2020

1. Vincent Baudriller, Frankreich,
Direktor des internationalen Festival d’Avignon, seit 2013 Leitung Théâtre de Vidy in Lausanne

2. Calixto Bieito, Spanien,
Regisseur und künstlerischer Leiter des Teatro Arriaga, Bilbao

3. Karen-Maria Bille, Dänemark,
Dramaturgin und Übersetzerin

4. Stefan Bläske, Belgien,
Dramaturg

5. Stefanie Carp, Deutschland,
Intendantin der Ruhrtriennale 2018-2020 und Dramaturgin

6. Ebru Nihan Celkan, Türkei,
Autorin und Dramatikerin

7. Constantin Chiriac, Rumänien,
Präsident des Sibiu International Theatre Festivaly, Geschäftsführer des Radu Stanca National Theatre, Sibiu, Rumänien

8. Maria Delgado, England, Spanien,
Dramaturg, Journalist, Autor (Theater der Zeit)

9. Roman Dolschanskiy, Russland,
Regisseur und Dramaturg

10. Magnus Florin, Schweden,
Schriftsteller, Regisseur und Dramaturg

11. Oliver Frljić, Bosnien,
Regisseur

12. Bettina Hering, Schweiz, Österreich,
Schauspieldirektorin der Salzburger Festspiele (seit 2017), Dramaturgin und Regisseurin

13. Wolfgang Höbel, Deutschland
Journalist (DER SPIEGEL)

14. Marius Ivaškevičius, Litauen,
Autor, Journalist, Dramatiker, Regisseur

15. Mateja Koležnik, Slowenien,
Regisseurin

16. Wolfgang Kralizek, Deutschland,
Kritiker, Journalist

17. Kristina Matvienko, Russland,
Journalistin, Kritikerin, Kuratorin

18. Sir Brian John McMaster, England,
Leiter des Edinburgh International Festival (1991-2006), Künstlerischer Betriebsdirektor

19. Biljana Srbljanović, Serbien,
Schriftstellerin, Dramaturgin

20. Simon Strauß, Deutschland,
deutscher Historiker, Schriftsteller und Journalist (FAZ)

21. Itay Tiran, Israel,
Schauspieler, Regisseur

22. Krzysztof Warlikowski, Polen,
Regisseur

23. Franz Wille, Deutschland,
Kritiker Theater Heute


Die Mitglieder des internationalen Beirats durften nur Dramatiker:innen vorschlagen, mit denen sie in der letzten Zeit in keiner Arbeitsbeziehung standen.

Pressestimmen

Stuttgarter Zeitung
Tim Schleider, 12. Okt 21
"Das vergangene Wochenende am Stuttgarter Staatstheater hat deutlich gemacht: Man kann sich gerade keine bessere Wahl vorstellen für den neu gestifteten und hochdotierten Europäischen Dramatikerpreis des Landes Baden-Württemberg als diesen Mann…."

"In Mouawads Theater geht es gleichberechtigt auch um Farben, Musik, Geräusche, Stimmen, Bilder. "Polyfonie ist wichtig." Sein zweistündiges Solo "Seuls", das er in Stuttgart gezeigt hat, bringt das packend zum Ausdruck."

"Der Verleger Thomas Maagh sagte in seiner Laudatio, Mouawad sei jemand, der Mauern einreiße und Gräben überwinde zwischen Lebenden und Toten, zwischen Sprachen, zwischen Nationen. Die Botschaft seiner Figuren laute: "Hör mir zu!" Einen solchen Europäer bei sich zu haben stimmt optimistisch. Für das Theater ist es ein Glück."

Zur vollständigen Kritik
Stuttgarter Zeitung
Nicole Golombek, 11. Okt 21
"Wajdi Mouawad […] ist ein Künstler, der sich für die großen Themen der Zeit interessiert. Und er ist ein Autor, der die Gabe hat, sie in Form psychologisch differenzierter Familiengeschichten zu erzählen, sich dabei nie mit einfachen Antworten zufrieden gebend. Auch dafür hat er an diesem Wochenende den mit 75 000 Euro dotierten Europäischen Dramatiker- und Dramatikerinnenpreis in Stuttgart erhalten. Der Künstler beschenkte jetzt dafür das Publikum im Schauspielhaus mit dem Theatersolo "Seuls", geschrieben, inszeniert und gespielt von ihm selbst."
Zur vollständigen Kritik
Stuttgarter Zeitung
Roland Müller, 12. Okt 21
"Wie sie Diskriminierung und kulturelle Enteignung in den "Sieben Methoden, Kylie Jenner zu töten" umsetzt, ist tatsächlich so originell wie innovativ. Das am Royal Court Theatre uraufgeführte Drama bewegt sich auf der Höhe der Zeit – und "in zwei Welten", wie die Autorin erklärt: Kara und Cleo, jung, schwarz, befreundet, geraten in Streit. Die eine will die andere davon abhalten, in Tweets den Tod von Kylie Jenner, Mitglied des Kardashian-Clans, zu fordern. Deren Karriere als weißer Reality-TV-Star, Influencerin und Beauty-Queen mit eigener Kosmetiklinie sei verbrecherisch, weil sie auf der Ausbeutung schwarzer Kultur basiere. … Das ist die echte Welt, die Lee-Jones in der virtuellen Twitter- und Social-Media-Welt verhandeln lässt."

"Komik und Schrecken verschränken sich auf unterhaltsam-verstörende Weise in einem so vermutlich noch nie gesehenen Killerdrama."

"Es gibt wohl nichts, worüber sich die Jungdramatikerin keine Gedanken macht, sie nimmt teil an aktuellen Diskursen, von Genderpolitik über Postkolonialismus bis hin zu Black Lives matter … – und hat einen eigenen, poetischen Blick auf die Welt. "Seven Methods of killing Kylie Jenner" gilt als unübersetzbar. Das müsste sich ändern lassen."

Zur vollständigen Kritik
Stuttgarter Zeitung
Tim Schleider, 12. Okt 21
"Die beiden Preisträger Wajdi Mouawad und Jasmine Lee-Jones stehen ebenso beispielhaft wie herausragend für ein Theater, das die Stimmen und Konflikte unserer Zeit künstlerisch verdichtet und auf der Bühne zur Diskussion stellt. Voilá, c’est l’Europe! Wajdi Mouawads Botschaft lautet, dass wir durch das Erzählen die Chance haben, Menschlichkeit zu zeigen und gemeinsame Zukunft keimen zu lassen. Weil er dies aber mit künstlerisch-ästhetischer Kraft tut, wird deutlich: Das ist weder Theater als Therapie noch Theater als Verlautbarungsbühne für Leitartikel-Weisheiten. Das ist die Gemeinschaft von Bühne und Zuschauerraum als Keim sich selbst erkennender, sich selbst kennenlernender Gesellschaft."
Ludwigsburger Kreiszeitung
Arnim Bauer, 11. Okt 21
"Mit seiner Performance "Seuls" belegte [Wajdi Mouawad] eindrucksvoll, dass er ein würdiger Preisträger ist, der mit dieser Auszeichnung [Europäischer Dramatiker:innen Preis 2020] seinen zahlreichen Ehrungen eine weitere hinzufügte."

"Diese Art von Theater hat sich Flügel geschaffen, die getragen vom Winde der Fantasie über das Wort hinaus tragen, die Bilder erschließen, die hoch über dem Boden der Realität ein anderes Bild der Dinge zeichnen können. Das ist die tiefere Substanz dieses Abends, eine noch weitgehend unentdeckte Dimension auf der Bühne, eine eigene, neuartige Bildersprache, die in Tiefen vordringt, die das Wort kaum alleine erreicht, die es schafft, mit allen Mitteln zu arbeiten und sie zur Deckung zu bringen, die heute dem Theater zur Verfügung stehen."