The Clickworkers (UA)

Projekt 4 des Europa Ensembles
von Dino Pešut und Selma Spahić
unter Mitwirkung des Europa Ensembles
Kammertheater
Dauer – ca. 1:30 Std, keine Pause
Auf Englisch mit deutschen Übertiteln. Deutsche Fassung von Mascha Dabić und Christina Schlögl
Derzeit nicht im Spielplan
Schöne neue Arbeitswelt: Sechs junge Menschen werden für ein ökologisch wegweisendes Projekt rekrutiert. Geboten wird ein angenehmes Ambiente, ausufernde Arbeitszeiten und ein Gehalt knapp unter dem Mindestlohn. Doch wer will nicht dabei sein, wenn die Zukunft der Arbeit und damit eine Utopie der Gesellschaft entworfen wird?
Der kroatische Autor Dino Pešut und die bosnische Regisseurin Selma Spahić entwickeln in einem neuen Stück ihre Vision einer Moderne, in der das Individuum auf dem Altar der neuen Märkte geopfert wird. Nach Inszenierungen in Warschau und Zagreb kommt das Europa Ensemble zurück nach Stuttgart.

Was treibt uns um in Europa? Welche künstlerischen Antworten geben wir auf die Herausforderungen und Widersprüche unserer Gegenwart? In der Spielzeit 2018/19 gründete das Schauspiel Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Nowy Teatr, Warschau und dem Zagreb Youth Theatre sowie dem Nationaltheater Athen als assoziiertem Partner unter der künstlerischen Leitung des Regisseurs Oliver Frljić ein Europa Ensemble. In Frljićs Projekt Imaginary Europe (UA) begaben wir uns zu Schlüsselmomenten europäischer Geschichte; die französisch-polnische Regisseurin Anna Smolar untersuchte in Erazm / Erasmus (UA) die Relevanz des humanistischen Denkens des Erasmus von Rotterdam; der griechische Theatermacher Anestis Azas porträtierte mit Ödön von Horváths Der ewige Spießer eine zutiefst verunsicherte Generation in Zeiten des Umbruchs. 2020 treten drei weitere Regisseur*innen an, um das europäische Projekt mit eigenwilligen Inszenierungen zu befragen. Selma Spahić gibt mit The Clickworkers (UA) den Startschuss zur zweiten Runde.

Uraufführung: Sa – 07. Mär 20

Eine Koproduktion mit dem Nowy Teatr, Warschau und dem Zagreb Youth Theatre (Zagrebačko kazalište mladih)

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes
Inszenierung
Bühne und Kostüme
Dramaturgie
Übertitelung
Agnieszka Fietz

Pressestimmen

Stuttgarter Zeitung
Verena Großkreutz, 08. Mär 20
"Dem Europa Ensemble ist ein richtig guter Theaterabend gelungen, vor allem ein hochaktueller, denn es wird wenig Menschen im Publikum geben, die nicht irgendetwas aus ihrem Arbeitsalltag auf der Bühne wiedererkennen. Selma Spahić hat ihn brillant inszeniert, setzt auf kurze, oft grotesk-komische Szenen, unterbrochen von Blackouts, in denen traumsequenzartige Soundcollagen aus Klängen, Dialogfetzen, Monologischem vom Unbewussten der Protagonisten sprechen, von Erschöpfung und Ängsten, von heimlicher Annäherung untereinander. Das sechsköpfige Ensemble bringt spielwütig und präzise sehr authentische und ganz unterschiedliche Charaktere auf die Bühne."
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Die deutsche Bühne
Manfred Jahnke, 08. Mär 20
"Nach dem stupenden Beginn entwickelt diese englischsprachige, deutsch untertitelte Inszenierung ein rasantes Tempo. Zu den von Draško Adžić komponierten Klängen wird selbst das Klicken des Computers zu Musik. Einen Höhepunkt stellt eine Szene dar, in der alle am Tisch sitzen und ihre Computer "bearbeiten" und ein gemeinsamer Rhythmus entsteht. Überhaupt verfügt die Regie von Selma Spahić über ein genaues Rhythmusgefühl, in den Tempiwechsel wie in den Blacks zwischen den Szenen, während derer Texte im Dunkel weiter projiziert werden.
Außerdem steht ein eingespieltes Team auf der Bühne, das mit wunderbarer Leichtigkeit überzeugt: Jaśmina Polak, Anđela Ramljak, Tenzin Kolsch, Adrian Pezdirc, Jan Sobolewski und Claudia Korneev ...."

"Pešut und Spahić ist eine eindringliche, intensive Inszenierung gelungen."

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Ludwigsburger Kreiszeitung
Arnim Bauer, 08. Mär 20
"Unverblümt und gradlinig die Story. Stringent und zielstrebig, und doch auch wegen der gut herausgearbeiteten unterschiedlichen Charaktere spannend zu verfolgen, wird so eintreffendes Bild der heutigen Arbeitswelt gezeichnet, das alleine die Frage offen lässt, ob sich eine solche menschenverachtende Profitorientierung um jeden Preis verhindern lässt."
Deutschlandfunk Fazit
Christian Gampert, 07. Mär 20
"Wir haben es mit sechs wirklich sehr, sehr guten jungen Schauspielern zu tun…."

"Das Verrückte an dieser Aufführung ist, dass wir lauter Mechanismen sehen wie in "1984" [von George Orwell], nur eben "schöne neue Arbeitswelt": Wir sind alle voll motiviert, wir arbeiten gegeneinander, wir stechen uns aus. Und am Ende mutieren alle zu diesen Rehen …. Das klingt vielleicht in der Beschreibung ein bisschen theoretisch, aber diese Schauspieler zeigen doch sehr eindrücklich, was so was wie Burnout ist ... . Das ist ein ganz verrückter Kosmos, der da entsteht. Unter dem Deckmantel des Respekts voreinander wird Ausbeutung betrieben. … Das heißt im Grunde, dass die Philosophie der Alternativbewegung, der Political Correctness, schon längst in den Chefetagen und in den Fabriken Einzug gehalten hat. Das wird dort benutzt, um die Leute gefügig zu machen, und das ist doch eine ziemlich verstörende Erkenntnis an diesem Abend."

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Schwäbische Zeitung
Jürgen Berger, 11. Mär 20
"eine furiose Uraufführung zu der Frage, wie die zukünftige Arbeitswelt aussehen könnte"

"Dem Europa Ensemble [ist] mit seiner neuesten Arbeit ein bemerkenswertes Stück Theater gelungen …. Gespielt wird übrigens in englischer Sprache mit Übertitelung – aber nicht um verzweifelte Brexiteers zurück aufs europäische Festland zu locken, sondern weil internationales Theater nur so funktionieren kann."

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"The Clickworkers (UA)" Trailer
am Schauspiel Stuttgart