Wir trauern um Elke Twiesselmann

Mit großer Betroffenheit haben wir erfahren, dass unser Ensemblemitglied Elke Twiesselmann in der Nacht vom 27. auf den 28. September im Alter von 94 Jahren gestorben ist. Das Schauspiel Stuttgart und die Staatsoper Stuttgart erinnern an eine sprachlich virtuose, neugierige und beeindruckend präzise Charakterdarstellerin und eine zauberhafte Kollegin: „Wir waren immer unglaublich fasziniert, mit welcher Energie, mit welcher Unbedingtheit und welcher Leidenschaft für das Theater und ihre Kolleg:innen Elke noch mit über 90 Jahren auf der Bühne stand. Sie hat sich bis zuletzt mit großer Freude künstlerischen Herausforderungen gestellt und war auch eine wichtige Brücke zwischen den Generationen. Elkes feinen Humor, ihre Leichtigkeit und ihre große Freude am Leben werden wir für immer im Herzen behalten.“

Elke Twiesselmann wurde in Hamburg geboren. Sie studierte zunächst Literatur und Kunstgeschichte an der Universität Hamburg und wechselte dann für ein Schauspielstudium an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Hamburg. Nach ersten Arbeiten an kleineren Bühnen wurde sie für zwölf Jahre Ensemblemitglied am Schauspielhaus Bochum. 1972 bis 1975 war sie fest am Schauspiel Stuttgart, es folgten weitere Engagements in Basel und Frankfurt. In den vergangenen Jahren gastierte sie an der Staatsoper Stuttgart, der Württembergischen Landesbühne Esslingen, am Nationaltheater Mannheim sowie am Theater Heidelberg. Neben ihrer Theaterarbeit war Elke Twiesselmann auch fürs Fernsehen, als Sprecherin für zahlreiche Hörfunkproduktionen sowie 24 Jahre lang als Rollenlehrerin an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart tätig.

Im Schauspiel Stuttgart stand sie zuletzt von 2018 bis 2020 als „Maria Josefa“ in Bernarda Albas Haus von Calixto Bieito und als „Kilissa“ und „Furie“ in der Orestie von Robert Icke auf der Bühne. Der Staatsoper Stuttgart war sie durch ihre Rolle der „alten Papagena“ in der Zauberflöte in der Inszenierung von Peter Konwitschny von 2008 bis 2018 eng verbunden.

In einem Porträt schrieben die Stuttgarter Nachrichten 2017 über Elke Twiesselmann: „Die beste Zeit ist zwischen achtzig und neunzig“, sagt Twiesselmann kess, „vorausgesetzt, man ist gesund und fit.“ Sie ist nicht nur beides, sondern bekommt dazu nach wie vor reichlich Aufträge. Es gebe eben doch Regisseure und Intendanten, die sich nicht vor alten Frauen fürchteten, sagt sie, „die meisten haben Schwierigkeiten mit ihren Müttern, aber nicht mit den Großmüttern.“

Für Zuschauer:innen und Wegbegleiter:innen, die von Elke Twiesselmann Abschied nehmen möchten, liegt im Foyer des Schauspielhauses ein Kondolenzbuch aus.