Der ideale Mann
Schauspielhaus
Ab Klasse 10
Dauer – ca. 2:05 Std., keine Pause
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Premiere
Sa – 28. Mär 26
Sa – 28. Mär 26
Es ist Social Season im viktorianischen London und die High Society strömt aus ihren Landhäusern in die Stadt. Auf Parlamentssitzungen und Bällen, zwischen Finanzdiskurs und Streichquartett lässt sie dort politische Agenden und private Interessen verschmelzen. Mittendrin Sir Robert Chiltern, Staatssekretär im Auswärtigen Amt – von vielen für seine makellose Karriere bewundert, von seiner Frau für seinen integren Charakter zum Ideal stilisiert. Doch holt diesen scheinbar idealen Mann eines Abends auf einem ausladenden Empfang in seiner städtischen Villa die Vergangenheit ein, als eine gewisse Mrs. Cheveley plötzlich unter den Gästen auftaucht. Zielstrebig verwickelt sie ihren Gastgeber in ein Gespräch über ein dubioses Kanalprojekt, in das sie investiert hat und zu dessen politischer Unterstützung sie Chiltern überreden will. Ihr schlagendes Argument: ein Brief, der Amtsverrat als Ursprung seines finanziellen Erfolgs offenlegt. Die Erpressung zwingt den Politiker zur Wahl zwischen öffentlichem Ruin und dem Bruch seiner Ehe und seiner Prinzipien – eine Entscheidung, der er sich mit allen Mitteln zu entziehen versucht.
Elfriede Jelinek kleidet Oscar Wildes süffisant satirische Gesellschaftskomödie in die ihr eigene, gnadenlos harte Sprache voller entlarvendem Wortwitz. Gekonnt spitzt sie die ohnehin erschreckende Aktualität der Geschichte über Politik und Moral, Korruption und Lobbyismus zu.
Elfriede Jelinek kleidet Oscar Wildes süffisant satirische Gesellschaftskomödie in die ihr eigene, gnadenlos harte Sprache voller entlarvendem Wortwitz. Gekonnt spitzt sie die ohnehin erschreckende Aktualität der Geschichte über Politik und Moral, Korruption und Lobbyismus zu.
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Licht
Dramaturgie
Dramaturgische Beratung
… Gábor Biedermann legt seinen Society-Star Robert als perfekt gestylten Strahlemann an, der sich angesichts des drohenden Ruins pathetisch im Selbstmitleid suhlt. Gattin Gertrude (Celina Rongen) stärkt ihn und geriert sich als Moralpredigerin. Christiane Roßbachs Lady Cheveley, ganz in Pink, verkörpert den Störfaktor: rhetorisch top und skrupellos. …
... Štorman meidet dauerschrille Hektik, belässt es bei einer fein gewebten Satire über Geld, Liebe, Korruption und all die anderen Baustellen. So wirkt auch das plötzliche Happy End wie die Fortführung der Ironie mit gesteigerten Mitteln.
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Christiane Roßbach als Mrs. Chevely (in hot pink) erinnert in punkto lustvoller Comic-Bösartigkeit an Glenn Close. Bei Celina Rongen als tugendhafte Lady Chiltern stand offenbar und kongenial die „desperate housewive“ Bree Pate – ausgestattet mit einer flirrenden Strenge. Gábor Biedermann als Sir Chiltern stolpert als verschreckter Dandy zwischen den Ebenen „wer ich war und was ich sein sollte“ – rhetorisch auf der Höhe, aber ratlos, wie jemandem wie ihm die Privilegien zu entrinnen drohen.
Felix Strobel als sein nihilistischer Freund Lord Goring versucht ihn zu retten mit der Verzweiflung eines Faulpelzes, der in Aktion katapultiert wird … Sie funktionieren gut als Duo ...
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… Da dreht Silvia Schwinger als Lady Markby gleich zu Beginn … auf … Blasiert, süffisant, mit spitzen Zwischentönen durchsetzt und in dominierende Eleganz gewandet, trifft da jeder Halbsatz wie ein Pfeil. Wie überhaupt die Kostüme von Yassu Yabara durch Stoffwahl, Farbe und Accessoires pointiert zu charakterisieren vermögen. In leicht überdrehtem Chic lustvoll das Karikierende der sich so stark wähnenden Upper Class streifen.
… Mit leicht süßlichem Unterton startet Celina Rongen als Sir Roberts hingebungsvolle Ehefrau. Um dann umso forcierter ihre Enttäuschung über den „idealen Gatten“ kundzutun. … Gabór Biedermann beginnt den Robert selbstgefällig mit herablassendem Näseln, lässt aber in seiner nervösen Gestik schon früh die Fallstricke ahnen, die Mrs. Cheveley auslegt. Christiane Roßbach umkreist ihn wie eine Raubkatze ihre Beute, ein roter Teufel mit rauchigem Timbre und dunkler Ausstrahlung. …
… das brillante Ensemble hielt die Spannung bis zum Schluss aufrecht. …
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Und so ist es denn auch ausgerechnet dieser wunderbar schräge Lord Goring, der … bei allem eitlen Rückzug auf das Posierende, Ich-Bezogene, unreif Genüssliche paradoxerweise als einziger ein ernsthafteres moralisches Bemühen um seinen Freund, den durch die Erpressung in die Bredouille geratenen Sir Robert, durchschimmern lässt …
... Spaß machen … Jelineks immer wieder auch gegenwarts-bezügliche Sprachkaskaden …, die absurden Kostümverortungen von Yassu Yabara irgendwo zwischen buntem Knallbonbon und Sonnenkönig Louis XIV. und das jazzmusisch von Imre Lichtenberger Bozoki und Martin Hemmer untermalte, bewusst klamaukig ausgelegte Agieren des Ensembles …
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… Gertrude Chiltern wird von Celina Rongen mit holdem Blick und hochherziger Haltung interpretiert. Als sie erfährt, dass der von ihr idealisierte Gatte eine dunkle Vergangenheit hat, ist ihr Entsetzen unermesslich. Jede Faser eine Schmerzensfrau. Auch wenn sie sich dem Druck der korrupten Gesellschaft beugt und ihren Mann – vorerst – nicht zum Teufel schickt. …
… Während Mrs. Cheveley sich etablieren will, in dem sie durch Intrigen ans Ziel kommt, will Lady Chiltern als hochstehende Moralistin reüssieren. Beide scheitern. …
… die von Yassu Yabara entworfenen Kostüme und Perücken [sind] beeindruckend, bonbonfarben und fluffig. …
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… Die deutsche Fassung von Elfriede Jelinek unterstreicht die provozierende Sprache Wildes mit einem zuweilen harten, unbarmherzigen Klang. Die Frage, ob ein Politiker ein idealer Mann ist, kann das Publikum hier selbst beantworten. Beim Schlussapplaus gab es „Bravo“-Rufe.
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