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02.10.2019 14:12
JÜrgen Hausin schrieb zu Die Physiker
Wem es gelingt, die Formel zu den letzten noch offenen Fragen der Naturgesetze zu finden, der kann auch die Weltherrschaft übernehmen, ob mit guten oder schlechten Absichten. Das ist der Kern der Komödie „die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt. Und sein Held Möbius hat diese gefunden, aber aus Angst vor Missbrauch durch falsche Hände sich gleich darauf in die Obhut einer Nervenheilanstalt begeben, ohne zu ahnen, dass dort die bösen Mächte bereits auf ihn warten. Die Komödie wird im Stuttgarter Staatstheater in der Regie von Cilli Drexel als Klamotte aufgeführt. Dabei wirkt die sehr überzeichnete Komik äußerst gewöhnungsbedürftig, zum Teil sogar befremdlich. Während man sich mit dem „schrägen“ Bühnenbild (umrahmter Guckkasten mit zu kleinen Türen und schiefen Stühlen) noch relativ schnell anfreunden kann, wirken die schauspielerischen Slapstick- und Klamauk Einlagen ziemlich kitschig, teilweise sogar kindisch und vor allem nervig. Zum Beispiel das gemeinsame Jodeln und Geigenspielen, die lächerlichen Perücken, einfach schrecklich. Aber man sollte fair bleiben. Die beiden Damen direkt hinter mir im Zuschauersaal fanden es zum Totlachen. Doch wer es mit meinen Augen gesehen hat, war langsam geneigt den Theaterbesuch für heute zu bereuen. Aber genau an diesem Punkt, ur-plötzlich und wie aus dem Nichts, kommt ab der Mitte des 2. Aktes die Wendung zum Guten. Jetzt trifft die Inszenierung auf den eigentlichen Kern des Stücks und die Dialoge werden versachlicht, die Diskussionen philosophisch und die Schauspieler ernst. Jetzt zeigt das Schauspiel seine wahre Stärke mit einer Wucht, der man nur noch gebannt, gefesselt und begeistert folgen kann. Auf dieser kurzen Wegstrecke rettet sich die Inszenierung doch noch erfolgreich ins Ziel. Dennoch, trotz versöhnlichem Ausklang wäre mehr drin gewesen an diesem Abend.
26.07.2019 17:46
Sandra Warnung schrieb
Ein großes DANKE und Bravo zu der vergangenen Spielzeit! leider kann ich nicht so oft nach Stuttgart kommen wie ich möchte, aber ich hab es immerhin geschafft zwei der besten Produktionen zwischen Frankfurt, München und Wien zu sehen: Die Vögel und Othello! Ich halte ganz fest die Daumen, dass Stuttgart verdientermaßen "Theater des Jahres" wird und freu mich schon auf das neue Stück von Theresia Walser bei den Salzburger Festspielen, toi, toi, toi!
Mit lieben Grüßen aus Wien
S.Warnung
24.07.2019 19:05
Indra Rosendahl schrieb zu Die Weber
„Die Weber“ von Gerhart Hauptmann ist ja nun irgendwie auch schnell erzählt. Und auch der Transfer in die heutige Zeit ist beinahe so trivial, dass man es lieber lassen sollte. Insofern hat das Schauspiel Stuttgart meines Erachtens ganz viel richtiggemacht:
Der Hinweis auf die Textilhersteller, die heute ausgebeutet werden, wird simpel und unaufdringlich gebracht: Jeanshosen. Eine monströse Masse des modischen (für uns) Wegwerfprodukts, das sich wie Morast durch die Arbeit und das Leben der Arbeiter zieht. Man verzichtet aber glücklicher Weise auf weitere laute und deutliche Übertragungen in das Jetzt.
Stattdessen hat man sich die Zeit genommen, Theater zu spielen. Dialoge auszukosten. Man nimmt sich auch Zeit für ein retardierendes Moment: das Lied der Veränderung dargeboten von Anne-Marie Lux (Wie toll kann die bitte singen?).
Es gibt des Weiteren sehr gute Bilder. Der Fabrikant, der seine billigen, beschwichtigen Phrasen im Glitzeranzug wie ein Entertainer in ein Mikrofon spricht (Thomas Sarbacher steigert sich von Szene zu Szene). Die Arbeiter, die das Haus des Kapitalisten tragen – ja, ist ein bisschen trivial - aber sieht gut aus. Der in die Verzweiflung und den Wahnsinn treibende Hunger ist in jeder Szene – quasi persönlich – anwesend. Das sind alles starke Bilder und Symbole.
Und dann gibt es ganz am Schluss den krassesten Moment, der dann doch einen neuen Aspekt und eine Art Ausblick bringt. Das Stück von Hauptmann endet eigentlich damit, dass der alte Weber Hilse, der für den konservativen, frommen Stillstand steht, von einer verirrten Kugel erschossen wird. Das passiert hier auch, aber dann ist da noch etwas Anderes. Im Hintergrund. Eine ganz kleine und perfide Geste der Inbesitznahme oder Verbrüderung. Der Pakt zwischen Rädelsführer und Kapitalist. Das ist einfach richtig gut.
15.07.2019 11:33
Indra rosendahl schrieb zu Die Physiker
Ich hatte mehr und vielleicht etwas Anderes erwartet. Vor allem nach der vielversprechenden Einführung, die das Angebote zu einer Interpretation im aktuellen Kontext machte: Die moralische Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten von K.I., Trump & Co.
Leider findet man keine dieser Denkanstöße in der Inszenierung wieder: jodelnde Akteure, überzeichnete Mimik und Perücken. Trotz des minimalistischen Bühnenbilds erinnerte mich das Ganze einfach nur an einen Volks-Schwank.
War diese „groteske Groteske“ der Versuch zu sagen: Die Realität ist noch viel wahnsinniger als all das hier? Dieser Versuch ist meines Erachtens nicht so gut gelungen, denn dafür war es dann doch viel zu harmlos und gefällig. Keine Position, kein „in your face!“. Ich wäre lieber verstörter nach Hause gegangen :-)
15.07.2019 11:20
Indra rosendahl schrieb zu Der Menschenfeind
Ich hatte nicht erwartet, dass mich dieses Stück berühren könnte! Die Gesellschaft dargestellt als affektiert tänzelnde Figuren - jede mit ihrem eigenen „move“. Nur der Menschenfeind im schwarzen Existenzialisten-Look. Dieser Kontrast - vielleicht etwas trivial - funktioniert auch wegen des herausragenden Matthias Leja. Es gibt wirklich lustige Momente („Sonett!!!“) und zu guter Letzt auch traurige - wenn ganz kurz die Maske fällt. Total gelungene Inszenierung.
02.07.2019 12:28
Jürgen Hausin schrieb zu Othello
Wieder eine sehr gelungene Inszenierung zum Thema Identität im Stuttgarter Schauspielhaus in dieser Spielzeit. Bei Burkhard C. Kosminski ist Othello kein Schwarzer, sondern nur „der Fremde“, unterscheidbar von allen anderen lediglich durch seinen leichten sprachlichen Akzent. Ein interessanter Ansatz, der in dieser sehr modernen und temporeichen Inszenierung, vollkommen aufgeht. Shakespeares Drama, dieses Intrigen- und Verwirrspiel, bei dem zum Schluss das Böse leider über das Gute siegt, ist an diesem Abend glänzend besetzt. Alle Schauspieler überzeugen in ihren Rollen. Hinsichtlich des magischen Trios bei diesem Drama, der Besetzung von Othello (Itay Tiran), dem Kriegsfeldherrn, Desdemona (Katharina Hauter), seiner Frau und Jago (Matthias Leja), Othellos Widersacher, hatte der Regisseur sogar ein sehr glückliches Händchen bewiesen. Großartig wie überzeugend diese drei Schauspieler ihre Rollen auf der Bühne durchleben. Itay Tiran werden wir in Stuttgart schmerzlich vermissen, wenn er seinen Wechsel nach Wien antritt. Aber der eigentliche Star des Abends war für mich Matthias Leja. Wie überzeugend er diesen widerlichen, teilweise schmierigen und überaus teuflischen Intriganten Jago spielt, das ist außergewöhnlich. Er ist an diesem Abend der Teufel in Menschengestalt höchstpersönlich. Fantastisch mit welcher Arroganz er in der Schlussszene gesteht: „den Fremden konnte ich nie leiden“. Und das ist nicht seine erste Rolle, mit der dieser wunderbare Schauspieler im Stuttgarter Staatstheater herausragt. Ferner ist Burkhard C. Kosminski mit dem recht einfachen Bühnenbild wieder Großes gelungen. Die weiße Wand mit integrierten Türen an den Seiten, lässt auf der Drehbühne allerlei interessante Szenenwechsel zu. Gleichzeitig dient sie als Projektionsfläche für Bilder und Filme in Großaufnahme. Die vier weißen Deckenplatten schaffen flexibel neue Räume und Projektionsflächen. Technik spielt eine wichtige Rolle, aber sie wird nie überzogen, sondern immer angemessen eingesetzt. Herrliche Bilder entstehen auf der Bühne, z. B. wenn Othello als Feldherr das filmische Kriegsgeschehen dirigiert, beim Saufgelage anlässlich der Siegesfeier über den gewonnenen Krieg oder beim Blutregen in der Tötungsszene. Eine rundum sehr gelungene Aufführung, die den begeisterten Applaus des Publikums vollkommen verdient hat.
30.06.2019 14:54
Jürgen Hausin schrieb zu 100 Songs
Die deutschsprachige Erstaufführung von 100 Songs im Kammertheater in Stuttgart wurde vom Autor Roland Schimmelpfennig selbst inszeniert. Das ist schon etwas ganz besonderes, denn damit ist eine werkgetreue Aufführung garantiert. Um es gleich vorwegzunehmen, Roland Schimmelpfennig gelingt mit dem sehr spielfreudigen Stuttgarter Ensemble eine großartige Darbietung. Das schlichte Bühnenbild, schwarze Bühne mit Lichterkettenumrandung am Boden, hängender schwarzer Kleiderhakenleiste mit diversen Kleidungsstücken im Hintergrund sowie sechs schwarze Stühle darunter, ist für dieses Stück vollkommen ausreichend. Die Stühle werden von sechs Schauspielern (drei Männer, drei Frauen) zu Beginn des Stückes eingenommen und von nun an liegt es an den Schauspielern, die Verantwortung für eine bildgewaltige Vorstellungswelt in den Köpfen der Zuschauer mittels Text und Schauspielkunst zu übernehmen. Und dieses gelingt dem glänzend aufgelegten Schauspielerteam an diesem Abend, wie bereits erwähnt, ganz ausgezeichnet. In der 90-minütigen Aufführung geht es um lediglich vier Minuten eines Tagesablaufs auf einem Bahnhof, die unmittelbar vor einem schrecklichen Bombenattentat, wie in einer Endlosschleife, immer wieder neu wiederholt werden. Ein ganzer Mikrokosmos voll Menschen und Musik entfaltet sich dabei, ausgelöst von dieser kurzen Zeitspanne an diesem besonderen Ort. Einzelne Lebensentwürfe, diverse Musikvorlieben, vielfältige menschliche Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte werden ausgerufen, streckenweise weiter vertieft und dennoch kehrt das Stück immer wieder zurück zu 8:55 Uhr, wenn Sally, die Serviererin, die Kaffeetasse im Bahnhofsrestaurant fallen lässt. Menschen und Songs werden miteinander verwoben und selbst für den musikfernsten Islamstudenten gibt es noch eine Melodie, der Ruf des Muezzins vom Minarett der Moschee. Weiter in der Zeit kann es für die Menschen durch das bevorstehende schreckliche Ereignis nicht mehr gehen. Und so bleibt es in der Vorwärtsbewegung auf der Bühne bei Vergangenem, das sich zunehmend mit den Vorstellungen, den Wünschen und den Sehnsüchten dieser Menschen verbindet. Reales vermischt sich mit Fiktivem, und es entstehen sehr schöne Bilder auf der Bühne. Philosophiert über das Leben wird dabei auch, aber für meinen Geschmack etwas zu wenig. Doch zu den Hintergründen des Bombenattentats hüllt sich das Stück komplett in beständiges Schweigen. Was bleibt sind 100 Songs, die diese Menschen an diesem Tag überleben.
24.06.2019 16:31
Diendorfer schrieb zu Der goldene Topf
Man kann ein Theaterstück auch mit sehr viel Opulenz ruinieren und töten.
Selbst bei Kenntnis der Geschichte ist es schwierig der/einer Handlung (?gibt es diese überhaupt?) zu folgen.
Wie rechtfertigen Sie eigentlich diese Verschwendung von Steuergeldern?
Die Gespräche der Schauspielerinnen und Schauspieler zum Stück im Anschluss der Vorstellung in der Theaterkantine waren mehr als erhellend.
23.06.2019 22:08
Rolf Hafner schrieb zu Die Physiker
Tolles Stück - heute so aktuell wie zur Zeit seines Entstehens
Tolle Inszenierung - das Lachen bleibt einem im Halse stecken
Tolle Schauspieler - Sprech-Theater vom Feinsten
Tolles Publikum - Jung und Alt bunt gemischt
11.06.2019 11:21
Max Hortmann schrieb zu Probegrube
Glückwunsch zur Probegrube. Mir gefällt die Installation außerordentlich gut, es passt zum Zeitgeist und aktueller Diskussion. Sofern Meckern auf hohem Niveau erlaubt sein darf: Vor der Installation parkt ein weißer Kleinwagen einer Sicherheitsfirma. Sowohl von der Sichtachse von der Fußgängerbrücke, als auch von Schlossplatz fällt das Auto direkt ins Auge. Das zerstört das ganze optisch etwas. Es wäre doch möglich, wenn man das Auto am Tag auf einen regulären Parkplatz stellt. In der Nacht könnten die Sicherheitskräfte ja gerne davor parken, damit sie nicht komplett ungeschützt sind.
02.06.2019 17:01
Klaus Fabricius schrieb zu Die Weber
Was für ein kurzweiliges spannendes inspirierendes Schauspiel, das von allen Akteuren und Schauspielern getragen und in bester Spiellaune zur Wirkungsmacht kam! Das Bühnenbild - das Licht - die Kostüme so hervorragend für die Aktionen im Spiel zusammengebracht und die junge Meistersängerin… im Klang feinfühliger Tonalität… überraschend und ganz wunderbar!
Das Stück: hier wurde es für mich dramaturgisch und zeitlich stimmig gebracht.
Angeregt und nachdenklich erinnerte ich mich dann auch an John Berges Büchlein ‚Begegnungen und Abschiede‘ an sein geschriebigtes über die englischen Bergarbeiter: „Wenn die gerechte Sache unterliegt, wenn die Mutigen erniedrigt werden, wenn die in Stollen und Schacht erprobten Männer wie der letzte Dreck behandelt werden...[…] Kunst wenn sie eine [...] Funktion hat, wird zu einem Ort der Begegnungen für das Unsichtbare, das Irreduzible, das Überdauernde, für Mumm und Ehre.“ Und ich dachte an Christian Boltanski… der im Grand Palais/Paris u.a. einen über hunderttausenden Altkleidern zu einem übergroßen Haufen gestapelte ‚Personnes‘ Skulptur werden ließ… dieser Kleiderhaufen wurde an der Spitze von einem Krangreifer erfasst um ergriffene Stücke in luftiger Höhe wieder ausgespuckt auf den Kleiderhaufen nieder schweben zu lassen und das immer zu fort… für mich Sinnbild der Entehrten Geknechteten Versklavten Verbrannten.. die selbst ‚Gott‘ nicht haben will!
Also es war eine Abend der mich mitgenommen... tief berührt hat und weitere Zeit noch beschäftigen wird.
Dank an alle Beteiligten: denen auf und hinter der Bühne... die mit Namen und den Unbekannten!
29.05.2019 11:13
Jürgen Hausin schrieb zu Orestie
Wann erlebt man schon einmal einen Theaterklassiker, in dem der Regisseur das Stück mutig um eine eigene Vorgeschichte erweitert? So geschehen im Stuttgarter Schauspielhaus bei der griechischen Tragödie Orestie. Und diese Erweiterung wird dann auch noch zum Höhepunkt des Theaterabends. Gezeigt wird großes Theater der Gefühle und Emotionen gepaart mit klassischer Diskussionskultur. Fantastisch, wie das Ringen um die Selbstzweifel und die Verantwortung aus der Botschaft des Orakels zur Tötung der Tochter Iphigenie, von Agamemnon (Matthias Leja) ihrem Vater, Klytämnestra (Sylvanna Krap-patsch) ihrer Mutter und Menelaos (Michael Stiller) ihrem Onkel auf der Bühne wortreich und klug, gestenreich und voller Mitgefühl durchgespielt wird. Besser kann man es nicht machen! Sehr gelungen ist auch, wie die antike Tragödie, bei der sich eine Familie als Folge einer Prophezeiung fast vollkommen selbst auslöscht, ins aktuelle Zeitgeschehen (Minutengenau!) und in die heutige Sprache übertragen wurde. Das ist modernes Theater, auch wenn die tragende Prophezeiung in der heutigen Zeit vollkommen undenkbar wäre. Der Effekt der Moderne wird noch verstärkt durch die eingesetzte Bühnenkamera mit ihren Reflektionen und Projektionen sowie durch die Glastrennwände im Bühnenbild. Letztere lassen sich situativ als durchsichtige, blinde oder spiegelnde Wände bzw. Türen verändern. Das ermöglicht spieltechnisch allerlei raffinierte Szeneneinschübe. Doch auch die Antike selbst bleibt im Theaterstück enthalten. Z. B. durch den ovalen Wohnraum mit seiner roten Backsteinumrandung, die an frühzeitliche Ausgrabungen erinnert, den hohen griechischen Säulen oder den gregorianischen Chorälen in der Begleitmusik. Am Ende landet das Stück in einer etwas überdrehten Gerichtsszene, in der Orest (Peer Oscar Musinowski), als Überlebender der Familientragödie, des Mordes an seiner Mutter Klytämnestra und ihres Geliebten Ägisth angeklagt wird. Bis auf Orest wechseln jetzt noch einmal alle Schauspieler in neue Rollen und es entsteht auf der Bühne ein etwas wildes, wortgewaltiges Tohuwabohu. Dabei wird auch noch die Genderthematik bedient, welcher bei der Urteilsfindung eine bedeutende Rolle zukommt. Moderner kann man auf der Bühne kaum noch sein. Unklar bleibt für mich, warum die Existenz Elektras in der Gerichtsverhandlung verleugnet wird. Ist mir davor etwas entgangen? Dennoch viel Lob für diese großartige Aufführung und die exzellente schauspielerische Leistung von allen.
21.05.2019 23:38
Tanja Gempe schrieb zu Othello
Ich bin frustriert. Ich habe es jetzt noch einmal versucht, aber vergebens. Seit gefühlt Jahren scheint keine Inszenierung am Schauspiel Stuttgart mehr ohne Videosequenzen und ohne Musikuntermalung auszukommen. Das macht mich so müde. Was will man mit diesen immergleichen Bild- und Klangteppichen eigentlich kompensieren? Die doch eher mittelmäßigen Schauspielerleistungen? Die reichliche Ideenlosigkeit des Regisseurs? Ich werde mir jetzt ernsthaft eine längere Auszeit vom Staatstheater nehmen. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute. Vielleicht besinnen Sie sich irgendwann wieder einmal auf das Wesentliche.
07.05.2019 16:40
Jürgen Appel schrieb zu Thaddäus Troll
...eine furiose Revue über das tragische Leben des Hans Bayer. Grünewalds Komposition der Troll-Texte und seine Regieeinfälle sind preiswürdig. Ein toller Abend im Kammertheater. Und: nicht nur für Schwaben geeignet.
29.04.2019 10:10
Wolfgang Kaemmer schrieb zu Othello
Ich hab schon einige Othellos hinter mir, aber diese neue Inszenierung war mir besonders eindringlich - ohne viel Schnickschnack und Schminke, ganz auf die Kopfpein des "Fremden" konzentriert - und das mit einem so tollen Schauspieler wie Itay Tiran. Eine Bereicherung.
07.03.2019 18:52
Jürgen Wolf schrieb zu Der Menschenfeind
Sehr, sehr schön. Ein Thema, dass man begreift und beschäftigt. Eine Sprache, die einen mitnimmt. Ein Bühnenbild und Kostüme, die einen verzaubern.
Mir und meiner Frau hat es sehr gut gefallen.
Danke!
05.03.2019 08:32
Hanz W. schrieb zu Der Menschenfeind
Amüsante, kurzweilige Inszenierung, die auch die Seh-Lust gut bedient. Sicher ist - wie von der professionellen Kritik nicht zu Unrecht angemerkt - die eine oder andere Nuance des Stücks nicht vollständig ausgelotet, sicher ist das auch ein wenig glatt geraten in der Figurenzeichnung (hier aber wohl von der historischen Theaterpraxis nicht allzu weit entfernt) und der Zeichnung des Konflikts. Pfeif aber mal drauf. Das bewahrt den Abend davor, in die Griesgrämigkeit abzugleiten, wie das bei allzu bemühten Komödieninszenierungen ja fast die Regel ist. Und ja, hätte es zwanzig Minuten länger gedauert, wäre es unter Umständen fad geworden. Hat es aber nicht. Gut gelauntes Ensemble mit einer bestens aufgelegten Therese Dörr, erneut attraktives Bühnenbild, gelungener Theaterabend.
01.03.2019 10:23
Eva Zachmann schrieb zu Vögel
Es war grandios. Noch nie hat mich ein Theaterspiel so gepackt, 3 1/2 Stunden nonstop. Vielen herzlichen Dank und Hut ab allen Beteiligten.

Herzliche Grüße,
Eva Zachmann
27.02.2019 16:30
Martin Schütz schrieb zu Der Menschenfeind
Warum kritisiert der Rezensent der Stuttgarter Zeitung eine „Formalismen setzenden Regie“ in der „herausgeputzten Inszenierung“? Eine maskenhaft-uniformierte, oberflächliche Gesellschaft ist doch Molières Thema! Welch grandioser Regieeinfall, diese „Parade grässlicher Leute“ nicht nur aufgebrezelt vorzuführen sondern sie dazu in einem genial choreografiertem Geisterballett gesellschaftlichen Leerlauf ausdrücken zu lassen! Dabei gelingen den Schauspielern, neben ihrem Verharren in einer maskenhaften Welt, jeweils nuancierte Miniaturcharakterportraits. Therese Dörr als Célimène verkörpert besonders überzeugend die Welt der Verstellung und lässt in der intensiven Schlussszene mit dem großartigen Matthias Leja als Alceste echtes Gefühl aufblitzen. Das exquisite Bühnenbild mit den exzellenten Musikern in ihren Kronleuchter-Körben verweist stilistisch auf die Zeit Ludwigs XIV., gleichzeitig aber auch in einer den Spiegelsaal von Versailles aufrufenden Szene in einem Spiegeltanz der Spaßgesellschaft auf sehr heutige Prozesse der Selbstbespiegelung – ganz ohne Selfie-Sticks! Dass die Dramaturgie eine Übersetzung gewählt hat, die den Rhythmus von Molières wunderbaren Versen erfahrbar werden lässt, macht den Stuttgarter Menschenfeind zu einer glanzvollen Inszenierung.
27.02.2019 10:08
Susanne Leidenroth schrieb zu Vögel
Tolles Stück, Gratulation!
Und vor allem gefällt mir sehr der Informationsdienst im Vorfeld der Aufführungen: Ich werde direkt angeschrieben, habe Informationen über Inhalt, SchauspielerInnen, Dauer und Pausenzeiten, Sekundärinformationen, und und und...
Ein sehr schöner Service!!!
Viele Grüße
Susanne Leidenroth
23.02.2019 09:19
Wolfgang Kaemmer schrieb zu Der Menschenfeind
Mit übergroßer Freude gestern in der Generalprobe gesessen und restlos begeistert von Text, Akteuren (vor allem wieder mal Sven Prietz, aber auch alle anderen), Bühnenbild und Musik. Ein Gesamtkunstwerk von entlarvender Schönheit, das Stück zum Selfie-Wahn.
16.02.2019 23:33
MARGARETE Bauch schrieb zu Die Wildente
Danke, die Ente war gut zubereitet 😹👌 Großartige Schauspieler und beeindruckende Bilder mit starker Nachhaltigkeit.
12.02.2019 23:55
Das Stück ist mir ein Beispiel dafür, dass es in den eingebrachten Themenkomplexen auch darum geht, sich bewusst von einer politischen Gegenwart frei zu argumentieren, die Zugehörigkeiten diktieren möchte; personale Identitäten im Sinne des Anonymen und Namenlosen gleich mitentschieden.
So ist es mir nachvollziehbar, dass im Bühnengeschehen einiges los ist. Nicht nur im Drang der Musik, auch der Worte spürt man, dass es nach vorne gehen soll und muss.
Mir fehlten die leisen Zwischentöne, nicht im Sinne einer Analyse, der die Eindringlichkeit fehlt. Schattierungen der Sprache, geflüsterte Zweifel, zu Worten kommen, die nicht nach Parolen klingen. Das wäre aber nur möglich, wenn Empörung und gerechter Zorn zum Schweigen kommen.
So bleibt es für mich nur eine alles überziehende, stickige Empörungsdecke, die zwar Handeln antreiben kann, aber nicht das Denken; substanzielle Veränderungen mit Realitätsbewusstsein kommen so nicht an, es kann leider nur schlicht müde belächelt werden.
05.02.2019 08:44
Hanz W. schrieb zu Vögel
Starkes Stück, beeindruckender Theaterabend. Die Themenkreise Juden, Araber und Deutsche, Nahost-Konflikt, dazu das Spiel in vier Sprachen... da musste man ganze Auswüchse an politischer Korrektheit erwarten. Sehr erfreulich, dass das Gegenteil eingetreten ist. Die Inszenierung orientiert sich klar und deutlich am Text, der wiederum so geschrieben ist, dass die Geschichte, die erzählt wird, grundsätzlich erst mal verständlich ist. Nee, das ist längst nicht mehr selbstverständlich im Theater. Das Ganze ist nicht frei von kolportagehaften Elementen mit hie und da einem zarten Anflug von Kitsch – aber das gehört zum Theater schon immer dazu, damit es seine Wirkung entfaltet. Die Schauspieler, insbesondere auch die Gäste, frisch am Werk, oft auch mal unkonventionell im Gestus, insgesamt sehr überzeugend. Die Mehrsprachigkeit funktioniert erstaunlich gut, fast selbstverständlich. Sehr gelungener, manchmal berührender Abend, einer der besten im Staatstheater seit längerer Zeit. Unbedingt empfehlenswert!
31.01.2019 17:28
Klaus Fabricius schrieb zu Romeo und Julia
Oh Julia! Oh Romeo!... wo ist eure Liebe hin?
Nichts davon in dem Stück der bedingungslosen Liebe. Keine Empathie für die Liebenden war von nöten. Wo war das Begehren, Aufbegehren, die Verführung, die Verzweiflung, die Scham, die Ungeduld, das Verliebtsein, die Sexualität, der Kampf... da nutzte es wenig, wenn zu Anfang Tote in Person von Julia und Romeo Wiederauferstehen: wozu wiederauferstehen? So vieles war nur angedeutet Und was nutzt es, sich/ich in der Spiegelung des Bühnenbildes im Stück doch noch wiederzufinden in einer großen trostlosen, schwarzen Grotte in der die Liebe keinen Platz fand? Mich konnte das nicht überzeugen.... mir tat es um manchen Schauspieler leid der/die sich den Text aneignen musste der dann doch nicht im Zuschauerraum verständlich zu hören war. Alle spielten wiedermal was sie leider mussten. Mit wenigen systematischen Tricks und Kostümierungen aus der Altkleidersammlung und dem wenigen Bühnenbild mit immerhin bester Ausleuchtung machen eben kein gutes Stück...schon gar nicht ein Gesamtkunstwerk. Ein kurzer Abend zum Glück. Auch wenn die überraschende Gesangseinlage...Vokal ein echter Genuss war.
Da dies das dritte Stück in der jungen Spielzeit für mich als Abonehmer war, mache ich mir nun aber echte und ernsthafte Sorgen in welcher Liga nach dieser Saison das Schauspielhaus denn spielen wird.
29.01.2019 08:24
Hanz W. schrieb zu Romeo und Julia
Ach ja. Ach nee. Ojemine. Man war als geprüfter Zuschauer ja guten Mutes, dass die Zappelphilipp- und Schreikind-Ästhetik der "Ära" Petras so langsam überwunden ist. Nix wars. Leider. Von "Romeo und Julia" in Stuttgart habe ich - schon rein akustisch, Achtung: Handwerk! - so gut wie nichts verstanden, und wenn der Titel nicht auf dem Programmheft gestanden hätte, hätte es, seien wir ehrlich, jedes x-beliebige andere Stück auch sein können. Nein, das hat nichts mit "Spielen vom Blatt" oder dem Ruf nach einer diffusen "Werktreue" zu tun: die Inszenierung war einfach gedankenarm, wiewohl sie das Gegenteil behaupten will, der Zugriff auf das Stück verschwurbelt, die schauspielerischen Leistungen häufig nur knapp am Nervig-Peinlichen vorbei.

Allerdings ist das Bühnenbild sehr gut gelungen, und auch mancher "special effect" (meist durch die Beleuchtung) konnte überzeugen.
Besonders positiv: Unter Petras wäre so ein Abend gnadenlos auf drei, dreieinhalb Stunden aufgeblasen worden. So war der Schrecken immerhin nach anderthalb Stunden vorbei. Na denn, auch net schlecht.
24.01.2019 11:14
Rena Schumm schrieb zu Vögel
Die Vorstellung war sensationell, Text, Inszenierung, Schauspieler, einfach toll. Nach "Orestie" und "Ich liebe Äpfel..." das 3. Stück in der neuen Spielzeit, alles war hervorragend.

Mit freundlichen Grüßen,
Rena Schumm
23.01.2019 10:56
Josef Klein schrieb zu Romeo und Julia
Guten Abend oder guten Morgen,

die Inszenierung haben wir, meine Frau und die Kinder - 21 und 23 Jahre alt - beeindruckend und sehenswert erlebt. Ein großes Lob! Die Aufführung hat nicht unseren Erwartungen entsprochen; doch wie der bekannte Stoff umgesetzt wurde, hat uns herausgefordert. Ich habe auch verschiedene Szenen im Orginal wiedergelesen - und finde die Aufführung sehr gelungen.

Danke und freundliche Grüße
Josef Klein
20.01.2019 19:12
Ursula Bolz schrieb zu Medea
So eine tolle Inszenierung, tolles Bühnenbild, tolle Schauspieler, leider teilweise so leise und undeutlich gesprochen, sodass ich oft nur wenig oder garnichts verstehen konnte. Es ging nicht nur mir so, auf dem Weg zur Ubahn habe ich gleiche Meinungen hören können.
Schade für die Ausführung.
08.01.2019 13:46
Jürgen Hausin schrieb zu Vögel
Liebe Theatermacher des Stuttgarter Schauspielhauses,
das Stück „Vögel“ habe ich am 7. Januar d. J. gesehen und war total begeistert. Das zeitgeschichtlich hoch aktuelle Thema über den Zusammenhang sowie die Abhängigkeit von Identität und Herkunft ist vielschichtig angelegt und zieht den Zuschauer schnell durch lebhaftes Treiben und sehr authentisch wirkende Schauspieler in seinen Bann. Großes Lob an die Schauspieler, die durch den häufigen Switch zwischen verschiedenen Sprachen bei langer Aufführungsdauer fast Übermenschliches leisten müssen. Auch die spärliche Bühnenausstattung ist angemessen, denn im Mittelpunkt stehen die Personen und ihre Dialoge sowie Monologe. Ein Theaterstück, das berührt und dessen Aussagekraft auch noch Tage nach der Aufführung zum Nachdenken anregt. Auch im Kleinen wird nicht an Spielwitz gespart. Der Bezug auf das Kinderspiel „Reise nach Jerusalem“ bei der Platzeinnahme in Großmutters Wohnung in Jerusalem ist ein köstlicher Einfall.
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Hausin
28.12.2018 10:15
Barbara Krug schrieb zu Medea
Vom Bühnenbild und der schauspielerischen Leistung waren wir sehr beeindruckt, aber leider hatten wir - in der 5. Reihe (!) große Probleme, den Text zu verstehen. Teilweise wurde sehr schnell, aber auch oft sehr leise oder mit dem Rücken zum Publikum gesprochen. Schade, denn die Problematik des Stückes hat uns sehr interessiert.
18.12.2018 00:45
Carl Häser schrieb zu Romeo und Julia
Liebe, geschätzte Kolleginnen, Kollegen,
vor vielen Jahren hatten wir z.B. von Volker Lösch den "Revisor" im Spielplan und dann etwas völlig anderes auf der Bühne. Als Irreführung des Publikums haben wir diese Ankündigung schnellstmöglich richtig gestellt.
Zugebenermaßen erkenne ich als Impro über einen Mercutiotext auch einige Zeilen des Engländers - aber wie damals halte ich es für eine ärgerliche Irreführung des interessierten Publikums, die Inszenierung unter diesem eindeutig bekannten Titel zu veröffentlichen. Auch die fette Ankündigung im Internet ist kontraproduktiv hinsichtlich der damit provozierten Erwartungshaltung des geneigten Zuschauers: keine der verbalen Behauptungen in der zweiten Szene werden im Verlauf des Abends (für mich) nachvollziehbar.
Eine opulente, schauspielerisch herausragende Leistung - aber you dont get, what you expect by title.
Für den Besuch der Inszenierung mit "Ersttheatergängern*innen" wünsche ich mir bestmögliche Transparenz dessen, was zu erwarten ist - z.B. als Begleitmaterial zum Kartenkauf für Schüler- und Studentenkarten.
Viel Erfolg - auch dabei.
Mit solidarischen Grüßen
Carl Häser
Dramaturg 1995-2005 im Haus
02.12.2018 19:20
Jürgen Appel schrieb zu Jugend ohne Gott
Die Aufführung fühlt sich eiskalt an und erwärmt den Zuschauer gerade deshalb: Jugend ohne Gott ist ein eindrückliches Beispiel dafür, was gelungene Dramaturgie und schnörkellose Regie aus einer Romanvorlage machen können. Die aktuellen Bezüge wirken nie gewollt; mit kühler Sprache ergeben sie sich wie von selbst. Die Schauspieler agieren konsequent wie an Fäden gezogen und unterstreichen damit die Düsternis und Hoffnungslosigkeit des Stücks. Wenn die nächsten Abende im neuen Schauspiel genauso anregend werden, dann werden wir (wieder) Dauergäste.
18.11.2018 21:29
Herbert Wolfgang Grunwald schrieb zu Vögel
Sehr beeindruckt von den Leistungen aller Akteure, die oft sehr lange Dialogtexte vorgetragen haben, und das teilweise in zwei Sprachen. Das man auch gelegentlich mindestens mal schmunzeln musste, fand ich ebenfalls gut. Jedenfalls kann ich das Stück weiterempfehlen!
18.11.2018 11:41
Karin Hämmerling schrieb
Wir haben das Premierenabo und bislang die "Vögel" und "Orestie" gesehen. Wir sind begeistert! Endlich wieder gut gespieltes Theater, gute Stücke, tolle Schauspieler. Glückwunsch. Es kann gerne so weitergehen; vielleicht könnte man sich hie und da überlegen, ob man wirklich 3 1/2 Stunden spielen muss. die 2. Hälfte, vor allem bei den "Vögel" war dann etwas pathetisch...
Nix für ungut, wir freuen uns auf die kommenden Stücke!
Und auf den Gratis-Sekt danach. Nette Geste.

Liebe Grüße von Karin Hämmerling und Robert Müller