Die Weber

von Gerhart Hauptmann
Schauspielhaus
Dauer – ca. 1:30 Std, ohne Pause
Wiederaufnahme
Spielzeit 2019/20
Die Not der Weber ist groß. Sie leben in Armut, sie leiden Hunger, sie werden ausgebeutet. Die unmenschlichen Arbeitsbedingungen haben sie tief ins Elend gestürzt. Als durch den Einsatz mechanischer Webstühle und billig importierter Baumwolle die ohnehin schon geringen Löhne weiter fallen, gärt der Unmut unter den Arbeitern. Einer der jungen Weber setzt sich zur Wehr und pocht auf sein Recht. Der Fabrikant Dreißiger und sein Angestellter Pfeiffer jagen ihn davon. Sie ignorieren die existenzielle Not ihrer Angestellten und wollen die Löhne sogar noch weiter nach unten drücken. Zorn und Verzweiflung wachsen. Als Moritz Jäger, der Sohn eines Webers, von der Armee nach Hause kommt, sieht er nur in der Gewalt eine Chance. Mit dem später berühmt gewordenen Weberlied ruft er zum Protest auf. Bei einer Demonstration wird er verhaftet, die Menschen gehen auf die Barrikaden …
Gerhart Hauptmann (1862–1946) thematisiert in seinem Sozialdrama die historischen und höchst brisanten Ereignisse um den Weberaufstand von 1844 in Schlesien. Er kannte die Berichte von den menschenunwürdigen Verhältnissen der Leinenweber, die für eine Verbesserung ihrer Lage kämpften. Durch seine Aktualität avancierte das Stück zum Welterfolg – akut ist es noch immer: „Empört euch!“ war gestern, ist heute und wird morgen sein.

Premiere: Sa – 12. Jan 19

Pressestimmen

Stuttgarter Zeitung
Roland Müller, 13. Jan 19
"Noch keine zwei Minuten sind vergangen, schon ist im Stuttgarter Schauspielhaus die soziale Ungleichheit mit Händen greifbar. Der Regisseur Georg Schmiedleitner fackelt nicht lange und steuert mit starken, beeindruckenden, monumentalen Bildern aufs Thema zu: Klassenunterschiede, Ausbeutung, Verelendung, Aufbegehren."

"Die Emilie der Anne-Marie Lux ist die Entdeckung des Abends. Das verschmierte und zerlumpte Ballkleid, der irre und abwesende Blick verwandeln Emilie in eine Braut des Wahnsinns. Auf schwarzen Stiefeletten huscht sie verängstigt durch Raum und Zeit wie eine aus dem Märchen gefallene proletarische Prinzessin…. Anne-Marie Lux lässt sachte die kleine Prostituierte ahnen, die Emilie in Berlin werden wird, in einem Spiel voller Nuancen, das aus dem Kindmädchen einen Menschen mit beschädigter Seele macht. Anrührend legt sie nach innen, was im Rest der Inszenierung außen tobt: Not, Verzweiflung und die Sehnsucht nach einem besseren Leben."

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SWR2
Karin Gramling, 14. Jan 19
"Die schlesischen Weber von damals werden in [der] Stuttgarter Inszenierung zu modernen Textilsklaven, die auf riesigen Jeanshaufen stehen. ... Diese reduzierte, zeitlose Fassung zeigt, wie aktuell Hauptmanns "Die Weber" noch ist. Schauspielerisch insgesamt überzeugend, auch der Laienchor macht hier Sinn. In den Köpfen der Zuschauer werden aber vor allem die großartigen Bilder dieser Inszenierung noch lange nachwirken."
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Südwestpresse
Otto Paul Burkhardt, 15. Jan 19
"Der Regie gelingt es, stilisiert die verschärfte Aktualität des Dramas zu zeigen. Schmiedleitner heizt dabei die Aufruhrstimmung mit skandierten Chören und grellen Scheinwerfer-Batterien an. Dem ambivalenten Schluss – ausgerechnet der alte Hilse, ein Abwiegler, der an eine Erlösung im Jenseits glaubt, kommt beim Aufstand zu Tode – fügt die Regie eine weitere Symbolszene hinzu: Der Fabrikant bietet einem Rebellen grinsend eine Zigarre an, halb Bestechungsversuch, halb Versöhnungsgeste. Zwischen den Einbahnstraßen Mitleidsdrama und Agitprop findet Schmiedleitner einen dritten Weg – und eher Fragen als Antworten am Ende."
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nachtkritik
Thomas Rothschild, 12. Jan 19
"Schmiedleitners Entscheidung gegen Einfühlung und Mitleid ist wohl nicht nach jedermanns Geschmack. Wenn man sich darauf einlässt, zeigt die Stuttgarter Aufführung eine überzeugende Möglichkeit, das Stück in die Gegenwart zu retten."
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Ludwigsburger Kreiszeitung
Arnim Bauer, 14. Jan 19
"Dreißiger, überzeugend gespielt vom als Gast engagierten Thomas Sarbacher, bewegt sich … auf schwankendem Boden. Denn die Regie hat gleich mit dem ersten Bild auf der Bühne ein Ausrufezeichen gesetzt: Das noble Zimmer schwebt sozusagen ein Stockwerk über dem Boden, getragen wird es von den Arbeitern des so gequält jammernden Fabrikanten."

"… es ist die große Stunde des Chors. Ein Instrument modernen Theaters, oftmals sinnleer eingesetzt, hier aber passend. Zumal dieser Chor, der die Weber, die Arbeiter verkörpert, eine wirklich ansehnliche Vorstellung liefert, der tragenden Rolle völlig gerecht wird."

"Als Schlussszene des stringent durchinszenierten Dramas dann ein kleines Rätsel, wenn Dreißiger dem [Arbeiteranführer Moritz Jäger] eine Zigarre reicht. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass es schon immer gelungen ist, die führenden Köpfe der Bewegungen von Rechtsuchenden, von Aufständischen einzuwickeln?"

Eßlinger Zeitung
Elisabeth Maier, 13. Jan 19
"Schmiedleitner such in dem 1892 veröffentlichten Stück schlichtweg die Aktualität. Das führt in Volker Hintermeiers bemerkenswertem Bühnenraum zu verblüffenden Ergebnissen."

"Sehr stark sind die Massenszenen choreografiert. Sebastian Weisner unterlegt das Leiden mit verstörender elektronischer Musik. Klug jongliert Regisseur Schmiedleitner mit Einzel- und Gruppenauftritten."

"Kommt die doppelte Opferrolle der Frauen bei Hauptmann noch sehr am Rande zur Sprache, rückt sie bei Schmiedleitner in den Fokus. Anne-Marie Lux kauert in der Ecke und schaut angstvoll, als der Fabriakant Dreißiger sie zu sich holt. Die Angst des Mädchens vor dem Missbrauch lässt die Schauspielerin in jeder Geste, in jedem verstohlenen Blick spüren. Schließlich schreit sie die Wut mit ihrer betörenden Stimme heraus. Lux spürt die Aktualität von Hauptmanns Sozialdrama gerade in einer Rolle auf, die sie weitgehend zur Passivität verdammt. Ihre stummen Hilferufe berühren. Mit diesem Kunstgriff rücken die „Weber“ an die Gegenwart heran."

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Stuttgarter Nachrichten
Nicole Golombek, 13. Jan 19
"Die Bühne von Volker Hintermeier schafft mit Licht und Nebel eine pathosgetränkte, düstere Atmosphäre. Die Bühnenmaschinerie läuft auf Hochtouren: Die Weber-Menge wird in den (Bühnen)Untergrund geschickt, während des Aufstands gerät das Luxus-Loft, die zugleich Kommandozentrale von Dreißiger ist, konkret ins Schlingern."
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Stuttgarter Zeitung, Nachtkritik
Roland Müller, 13. Jan 19
"[Georg Schmiedleitner] holt die Gegenwart … über starke, sinnfällige, wahrlich monumentale Bilder ins Theater: Bildertheater also, das im Wortsinne auf den Schultern der zerlumpten Webern ruht und sich über einem Bergmassiv von Blue Jeans erhebt. Starker Beifall nach schnellen neunzig Minuten auch für das geschlossen agierende Ensemble."
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Südkurier
Johannes Bruggaier, 14. Jan 19
"Am Überzeugendsten gerät … Moritz Jäger in der Interpretation von Peer Oscar Musinowski: ein Mark Zuckerberg der Frühindustrialisierung, die einzige Schlange unter den Maulwürfen."
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Online Merker
Alexander Walther, 13. Jan 19
"Thomas Sarbacher mimt den Fabrikanten Dreißiger mit allen emotionalen Facetten."

"So gab es begeisterten Schlussapplaus für eine Inszenierung, die den bei Hauptmann so wichtigen dramaturgischen Spannungsbogen überzeugend trifft."

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