Fünf Lieder aus Polesien

Szenische Lesung des neuen Stücks der
ukrainischen Dramatikerin Luda Tymoshenko
(Artist in Residence)
Aus dem Ukrainischen von Lydia Nagel
Foyer Kammertheater
Polesien ist die größte Sumpf- und Waldlandschaft Europas. Ein Gebiet, dass sich von Polen über den Süden von Belarus und den Nordwesten der Ukraine bis nach Russland erstreckt. Der Fluss Prypjat ist zentrale Lebensader und fließt so selbstverständlich, wie die Paliasciuk (Polesier:innen) Tradition, Handwerk und Brauchtum in ihren Alltag integrieren.
Die ukrainische Dramatikerin Luda Tymoshenko fängt die ursprünglichen Melodien dieser abgeschiedenen Region in fünf Geschichten ein. Sie spielen unter unterschiedlichen zeitlichen und politischen Vorzeichen von 1940 bis ins Jahr 2020: während des Zweiten Weltkriegs, in der Sowjetzeit, nach der Katastrophe von Tschernobyl und nach der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine bis kurz vor dem Russischen Angriffskrieg. Alle Episoden zeigen, wie widerstandsfähig die Natur aber auch der Kampf gegen Armut und totalitäre Mächte die Menschen gemacht haben. Welchen Gefahren die Region gegenwärtig wegen ihrer reichen Rohstoffvorkommnisse wie Bernstein und Beryllium ausgesetzt ist, lässt sich im fünften Lied erahnen. Die Tatsache, dass dieses einzigartige Ökosystem das Klima in ganz Europa beeinflusst, scheint kapitalistische Investoren wenig zu kümmern.
Das Stück basiert auf dokumentarischem Material, das die Autorin aus Erzählungen ihrer Familie väterlicherseits extrahiert hat. 2023 kam es in Lviv zur Uraufführung und wurde seither in sechs wichtigen Theatern in der Ukraine gezeigt. Mit dieser szenischen Lesung am Schauspiel Stuttgart wird Tymoshenkos Text erstmals einem deutschsprachigen Publikum präsentiert.
Inszenierung
Bühne
Kostüm
Clara Künne
Dramaturgie