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Ein Videowalk von Gernot Grünewald & Thomas Taube

Kammertheater
Uraufführung
zweite Hälfte der Spielzeit 2020/21
„Wissenschaftler sollten niemals behaupten, dass etwas absolut wahr ist.“ Mit diesem Statement weist Radioastronomin Jocelyn Bell Burnell auf ein grundsätzliches Prinzip hin: Es liegt im Wesen der Wissenschaft, zu irren. Vermeintliche Kausalitäten stellen sich im Nachhinein als Fehlschlüsse heraus, Erklärungen von Forschern und Forscherinnen, nach denen wir unser Weltbild aufbauten, müssen revidiert werden. So produzierte man beispielsweise in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch radioaktive Zahnpasta, um die Abwehrkräfte von Zahn und Zahnfleisch zu stärken – was sich wenige Jahrzehnte später durch weitere Strahlenforschung als großer Fehler entpuppte. Wissenschaftliches Arbeiten kann nur dann produktiv sein, wenn es eben nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Doch wie ertragen wir diese Unsicherheit in einer extrem komplex gewordenen Welt, in der wir jeden Tag auf die Meinungen von Expert*innen angewiesen sind? Und wem schenken wir Glauben, wenn kritische Stimmen beginnen, Zweifel an den Erkenntnissen der Forschung zu säen und uns ein anderes Wirklichkeitsnarrativ – eine andere Ordnung der Dinge – präsentieren?
In einem interaktiven Parcours hinterfragt Gernot Grünewald anhand eines Netzes aus Informationen und Materialien, Thesen und Widersprüchen die Rezeptionsmechanismen jede*r einzelnen. Zusammen mit dem Videokünstler Thomas Taube untersucht er in einem Videowalk, nach welchen Kriterien wir Fakten von bloßen Behauptungen unterscheiden und wie leicht diese Vorgänge psychologisch zu steuern sind. Wie konstruieren wir unsere Wirklichkeit?

Ein Werkauftrag für die Frankfurter Positionen 2021 – Festival für neue Werke
Eine Initiative der BHF Bank Stiftung
Inszenierung
Kostüme
Barbara Kiss, Natalie Nazemi
Videokünstler
Musik
Dramaturgie
Dramaturgieassistenz