Don Juan

Lustspiel von Molière
Übersetzung von Friedrich Samuel Bierling
Schauspielhaus
Die Vorstellung dauert ca. 1:15 Std, keine Pause
Wiederaufnahme
Spielzeit 2021/22
Mit dem Ehrgeiz des großen Eroberers eilt Don Juan von Sieg zu Sieg, um sein grenzenloses Verlangen zu stillen. Den Komtur, der seine Tochter schützen wollte, hat er ermordet, Donna Elvira aus dem Kloster entführt, geheiratet und verlassen. Die ganze Lust der Liebe liegt in der Abwechslung – eine Heirat ist für ihn wie ein Schluck Wasser.
Fasziniert und besorgt begleitet Sganarelle, Don Juans Diener, die erotischen Abenteuer seines Herrn, der sich über alle Konventionen hinwegsetzt und weder an Himmel noch Hölle glaubt. Weder fürchtet er die Rache von Donna Elviras Brüdern, die ihn verfolgen, noch den Fluch seines Vaters, der ihn wegen seines amoralischen Lebenswandels verurteilt.
Auf dem Friedhof entdeckt er das Grab und die Statue des von ihm getöteten Komturs und lädt sie zu sich ein. Als der steinerne Gast tatsächlich zum Abendessen erscheint, wird Don Juans letzte Herausforderung zum Gottesgericht.
Den Don-Juan-Stoff lernte Molière durch die Commedia dell’arte kennen. Aus dem adligen Wüstling der italienischen Vorlagen machte er einen schillernden Freigeist, in dem sich die weltanschaulichen Kämpfe einer Gesellschaft im Umbruch spiegeln. Molières Don Juan ist ein rastloser Verführer auf der Suche nach dem nächsten Kick und ein kalter Rationalist, der mit intellektuellem Vergnügen die gesellschaftliche Ordnung infrage stellt.

Premiere: Sa – 19. Jun 21
Inszenierung, Bühne & Kostüme
Mitarbeit Regie
Sebastian Sommer
Mitarbeit Bühne
Moritz Nitsche
Mitarbeit Kostüm
Wicke Naujoks
Licht
Felix Dreyer, Jörg Schuchardt
Korrepetition
Angela Rutigliano

Pressestimmen

Süddeutsche Zeitung
Adrienne Braun, 23. Jun 21
"In 75 anregenden Minuten schnurrt der Mythos über die Bühne und bringt prägnant auf den Punkt, was Psychologen gern als Gegenübertragung bezeichnen: Don Juan ist nichts als eine Projektion, die sich aus den eigenen verdrängten Begierden speist."

"Und doch fühlt Freyer sich Molière verpflichtet, hält sich an die Stationen des Lustspiels und nimmt wie das Original auch Anleihen bei der Commedia dell’arte. Die Fantasiewelt, die Freyer kunstvoll skizziert, ist komplett in Schwarz-Weiß gehalten und steckt in einer Art Kasperletheater, in dem kuriose Wesen zwischen Mensch und Puppe ihr Unwesen treiben. … Freyer, inzwischen 87 Jahre alt, bleibt seinen über Jahrzehnte erprobten ästhetischen Mitteln treu. Aber er ist auch ein Routinier, der um Timing und Rhythmus weiß und Motive elegant und unprätentiös platziert. Das ist allerfeinstes Handwerk."

"Achim Freyer [erweist sich] als wacher Kopf, der sich schlicht weigert, wieder nur das Stereotyp fortzuschreiben, das hier männliche Täterschaft und dort weibliche Opfer sieht. Freyer redet der kritischen Selbstreflexion und einer konsequenten Differenzierung das Wort – womit er dann letztlich doch einen Kommentar abgegeben hat zu den aktuellen Debatten rund um "Me too" und toxische Männlichkeit."

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Südwest Presse
Otto Paul Burrkhardt, 21. Jun 21
"Glänzender Neustart mit Molières "Don Juan": Regie-Altmeister Achim Freyer lässt mit intelligentem Bilderzauber und witzigen Details die theaterlose Zeit vergessen."

"Dank Freyers Regie ... ist sie sofort wieder da, die lang vermisste Live-Magie des Theaters. Wunderliche Traum- und Fabelwesen tanzen in Slow-Motion-Trance zu bizarren Klängen von Erik Satie."

"Kurzum, Freyer manövriert seinen "Don Juan" clever um alle #MeToo-Klippen herum ins Offene und setzt den Akzent auf Molières Freigeist-Variante. … Stark gespielt und famos inszeniert, mal slapstickhaft, mal hintergründig. Zuweilen lässt Freyer sogar – mit Hunderten Stablämpchen – den Saal in bunter Pracht glitzern: wie ein Sternenfirmament. Großer Beifall."

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SWR2
Karin Gramling, 21. Jun 21
"Das Ensemble spielt dieses anspruchsvolle Wechselspiel mitreißend und witzig. Untermalt von einem grandiosen Bühnenbild, das mal in blutrot, pink oder dunkelgrün strahlt. Belohnt werden sie vom Stuttgarter Publikum mit langanhaltendem Applaus."
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Die Deutsche Bühne
Manfred Jahnke, 20. Jun 21
"Achim Freyer ist ein großer Theaterabend gelungen. Seine Inszenierungen entwickeln eine große visuelle Kraft: Bühnenbild, Licht, groteske Kostüme haben eine eigene intensive Form, die eingebunden bleibt in spielerisch-verspielte Aktionen. Diese werden begleitet von leisen Akkorden, die auf einer kleinen Gitarre gespielt werden. In die Visualität passt sich die Marionette wunderbar ein, aber funktionieren kann alles nur, wenn ein großartiges Ensemble in voller Präsenz agiert. Und das tut es am Schauspiel Stuttgart."
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Ludwigsburger Kreiszeitung
Arnim Bauer, 21. Jun 21
"Diese Lebendigkeit zeigt er in ganzer Ausprägung auch in seiner Inszenierung. Keine Sekunde davon ist langweilig, immer ist etwas los auf der ganz in schwarz-weiß gehaltenen schrägen Spielfläche, die durch einige Stoffbahnen teilbar ist. Auch die Figuren sind in schwarz-weißer Optik gehalten, bunt wird es erst durch das Treiben dieser Figuren und durch eine sehr feine Lichtregie. Freyer … nutzt alle Möglichkeiten, seine Geschichte prall und spannend zu erzählen."

"Matthias Leja beweist hier erneut, dass er in dem ohnehin spitzenmäßigen Stuttgarter Ensemble… ein Primus inter Pares ist, ein Darsteller, der jede Rolle zu etwas Besonderem macht. So wie Freyer dieses Stück."

"Aber keine Sorge, natürlich passt diese quicklebendige, einfallsreiche, vielfältige Aufführung, die so gekonnt relevante Fragen und beste Unterhaltung unter einen Hut bringt, in die Zeit. Ein an Jahren schon alter Mann zeigt, dass jugendlicher Elan und überbordende Fantasie auch heute noch das Salz in der Suppe sind und Freyer hat natürlich eine Truppe beisammen, die vor Spielfreude nur so sprüht und bei seinen umtriebigen Ideen voll mitgeht."

Stuttgarter Zeitung
Adrienne Braun, 21. Jun 21
"Achim Freyer nutzt den alten Trick des Spiels im Spiel und schickt eine Theatertruppe ins Rennen, die in einem Guckkasten mit manchem Budenzauber das uralte Lied vom Casanova nacherzählt. … Und doch ist es ein kluges Spiel, das er hier inszeniert hat, indem er die verschiedenen Figuren Don Juans Texte mitsprechen lässt."

"Sobald Don Juans Lebenslust keimt, wird die Bühne plötzlich farbig, plastisch, schön – während das Schwarz-Weiß seiner wohlanständigen Gegner durchaus symbolisch zu verstehen ist. Ihre Welt kennt keine Zwischentöne, keine Differenzierung, sondern nur einfältiges Gut und Böse. Freyers Timing ist perfekt, grandios, wie er beiläufige Motive elegant durchspielt und aus den holzschnitthaften Figuren dann doch ein feines Beziehungsgeflecht spinnt. So eröffnen sich hinter der reinen Spiellust und dem zweifellos etwas traditionellen Figurenspiel durchaus spannende Interpretationsspielräume."

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Fränkische Nachrichten
Deiter Schnabel, 28. Jun 21
"Die bekannte Geschichte um den "boshaftesten Menschen, den jemals die Erde getragen hat" ... wird konzentriert erzählt. Dabei gibt es immer wieder neue Überraschungen in optischer Hinsicht. Zum einen sind es die wandlungsfähigen Schauspieler, die sich immer wieder verkleiden und in andere Rollen schlüpfen. Zum anderen ist es das Spiel mit der sich biegenden, windenden, zusammenklappenden und dann sich wieder aufrichtenden Don-Juan-Marionette. Das alles fasziniert und ist gekonntes, seine Möglichkeiten mit Menschen und Puppen ausschöpfendes Theater in einer ganz besonderen, Achim Freyer eigenen Art."

"Von den Darstellern hat Matthias Leja als Don Juans Diener Skanarell … die größte Aufgabe sowohl in textlicher als auch in schauspielerischer Hinsicht. Und er löst sie in jeder Beziehung souverän, gekonnt und dazu auch komödiantisch. … Felix Strobel überzeugt sowohl in der Rolle des Nathurine [sic!] als auch in der eines Bettlers. Klaus Rodewald profiliert sich als Don Louis und Sonntag. Wandlungsfähig zeigt sich Valentin Richter als bäuerlicher Peter, als rachsüchtiger Don Alonso und als das Schicksal Don Juans besiegelnder Commentur, dessen äußere Hülle im Schnürboden verschwindet."

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Online Merker
Alexander Walther, 19. Jun 21
"Es ist ein Fest der Masken, Skulpturen, schemenhaften Verkleidungen."
Regisseur Achim Freyer im Interview zu seiner Inszenierung von Molières „Don Juan“
„Don Juan“ Trailer am Schauspiel Stuttgart