Die Lage (UA)

von Thomas Melle
Termine
https://www.schauspiel-stuttgart.de/ Schauspiel Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart
Mi – 23. Sep 20, 20:00
https://www.schauspiel-stuttgart.de/ Schauspiel Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart
Do – 24. Sep 20, 20:00
https://www.schauspiel-stuttgart.de/ Schauspiel Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart
Fr – 25. Sep 20, 20:00
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Sa – 26. Sep 20, 20:00
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So – 27. Sep 20, 20:00
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Di – 29. Sep 20, 20:00
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Do – 01. Okt 20, 20:00
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Fr – 02. Okt 20, 20:00
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Sa – 03. Okt 20, 20:00
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So – 04. Okt 20, 20:00
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Kammertheater
Dauer – ca. 1:30 Std, keine Pause
Uraufführung
Fr – 18. Sep 20
Termine
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Mi – 23. Sep 20, 20:00
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Do – 24. Sep 20, 20:00
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Fr – 25. Sep 20, 20:00
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Sa – 26. Sep 20, 20:00
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So – 27. Sep 20, 20:00
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Di – 29. Sep 20, 20:00
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Do – 01. Okt 20, 20:00
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Fr – 02. Okt 20, 20:00
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Sa – 03. Okt 20, 20:00
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So – 04. Okt 20, 20:00
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Die Wohnungsbesichtigung als Castingshow: attraktiv, erfolgreich, mit dickem Bankkonto und einem vorzeigbaren Partner versehen – so sieht er aus, der Mieter oder die Mieterin mit Chancen. Um ein WG-Zimmer, eine Dreizimmer-Altbauwohnung in einem aufstrebenden Viertel oder gar ein Loft über den Wolken zu ergattern, muss Intimes offengelegt werden. Die Bewerber*innen haben nicht nur Akustikproben sexueller Betätigungen, sondern auch ein Zertifikat eines Schlaflabors zur Bestimmung des Schnarch-Lautstärkepegels abzugeben.
Thomas Melle hat eine Symphonie unterschiedlichster Stimmen komponiert: Maklerinnen und Journalisten, Durchschnittsverdiener und reiche Erbinnen, Wegsanierte und An-den-Rand-Gedrängte tummeln sich auf dem modernen Kriegsschauplatz Wohnungsmarkt. Gebrüll ertönt auf imaginären Barrikaden, ein Chor beschwört die Sonne, auch die eigene „kleine Koje“ zu erwärmen.
Mit zunehmender politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit wird die eigene Wohnung zum Bollwerk gegen die „Fährnisse der Zeit“, eine Verheißung privaten Glücks, das mit allen Mitteln erkämpft werden muss. Nachbarschaften werden durchleuchtet und Toilettendesign zur Lebenseinstellung hochstilisiert. Auch in vermeintlich sozial eingestellten Bevölkerungsschichten wird Wohnen wieder zum Distinktionsmerkmal.
Wie ist es um die viel gepriesene Einheit unserer Gesellschaft bestellt, wenn sich die begehrten Innenstädte zunehmend in Festungen des Luxus verwandeln, die für Normalbürger*innen immer unerreichbarer werden? „Die Miete ist die soziale Frage unserer Zeit“, heißt es im Stück, welches eines der drängendsten Probleme der Gegenwart umkreist.
Inszenierung
Bühne
Stefan Hageneier
Kostüme
Stefan Hageneier / Lara Roßwag
Video
Birgit Stoessel

Pressestimmen

Frankfurter Allgemeine Zeitung
Jan Wiele, 21. Sep 20
"Zum Glück hat die Regisseurin Tina Lanik über Thomas Melles globales Wohnmiseren-Stück "Die Lage" allerdings keinen Soundtrack gestülpt, was leicht möglich gewesen wäre - sie vertraut auf die Vortragskunst ihrer Schauspieler und auf einige sehr effektiv eingesetzte Audio- und Videoverstärkungselemente."

"In Melles Stücktext gibt es manche im Chor gesprochene Passage: Es ist der Chor der ewigen Wohnungssucher, der hier den größten gemeinsamen Nenner sucht … . Daraus nun aber zu schließen, auf die Individualität der Schauspieler käme es nicht an, wäre falsch. Sie sind sogar sehr unterschiedlich, und sie machen ihre Sache sehr gut. Jannik Mühlenweg spielt den Vorsitzenden eines studentischen WG-Castings als scheinbar zahmen Sitz-Yogi, in dem sich ein Monster verbirgt. Der unverschämte Makler [Sebastian Röhrle] sieht hier aus wie ein wiedergeborener Michel Foucault, glatzköpfig überlegen."

"Ins Groteske lässt die Regie das Ganze immer wieder kippen, einmal auch in einem überraschenden Gewaltausbruch zwischen einem wohnungssuchenden Paar, bei dem ein Stilettoabsatz zum Einsatz kommt. … Die Dramaturgie setzt dabei auch auf Slapstick, was sich angesichts mehrerer großartiger Monologe im Text anbietet. Bei einem davon wähnt man sich eher bei Thomas Bernhard als bei Thomas Melle: Er wirkt wie ein zwinkerndes Weiterdrehen der Tirade über Wiener Toiletten auf aus Bernhards "Alte Meister", wenn hier ein verzweifelter Urbanist (großartig: Boris Burgstaller ) sich mit einem antiquierten Flachspülklosett konfrontiert sieht…."

"Die hybride Erzählform, in der Thomas Melle zu Hause ist, wird im Stuttgarter Kammertheater wunderbar adaptiert zwischen antiker Tragödie und Handke'schem Sprechstück. Das Ensemble spielt zum Auftakt dieser besonderen Theatersaison groß auf."

Stuttgarter Zeitung
Roland Müller, 21. Sep 20
ein "hochkonzentrierte[r] Abend[]"

"Josephine Köhler ist es auch, die in der insgesamt sehr, sehr starken, zuletzt auch von Wutbürgern bevölkerten "Lage" den doch stärksten, nachhaltigsten, beeindruckendsten Auftritt hat. Nicht als Immobilienfrau, sondern als Erbin, die Skrupel empfindet ob des ihr zugefallenen, unverdienten Reichtums. Die Beine gespreizt, bringt sie ihn dennoch zur Welt, in einem Geburtsvorgang mit heftigen Geburtswehen, die alle Bedenken beseitigen.

Mit solchen und anderen Bildideen überzeugt die Regie von Tina Lanik, die sich in Stuttgart schon einmal als Spezialistin für zeitgenössische Dramatik empfohlen hat, als sie Nis-Momme Stockmanns "Imperium des Schönen" souverän uraufführte.

Jetzt also "Die Lage" – und Thomas Melle schildert sie so umfassend, so reich an Perspektiven, so aufgeladen mit grimmigem, düsterem, zornigem Humor, dass am Ende kein Zweifel mehr bleibt: Nicht die Menschen suchen Wohnungen, sondern die Wohnungen suchen Menschen – und wenn sie keine passenden finden, werden welche gezüchtet. Das ist die Lage."

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Esslinger Zeitung
Elisabeth Maier, 21. Sep 20
"Regisseurin Tina Lanik übersetzt die dunkle Atmosphäre, die Melles tiefenscharfem Drama innewohnt, in starke, verstörende Theaterbilder."

"Es geht um die Suche nach einer Wohnung, nicht um Krieg. Doch Thomas Melle verknüpft beide Ebenen in seinem neuen Stück "Die Lage" ausgesprochen klug. … Hinter Bewerbungsmappen und Schufa-Auskünften verbergen sich Alltagsgeschichten von Paaren, die sich bitter bekriegen. … Dennoch versteht es Melle mit seiner dunklen Sprachkunst virtuos, diese Zimmerschlachten nicht zu überspitzen. ... Immer wieder überblendet der Schriftsteller das Drama mit griffigen Schilderungen. Knapp und prägnant bringt er so die Beziehungen auf den Punkt."

"Mit einem Ensemble, das die Zwischentöne im Text überzeugend in Bewegungen und Gesten strafft, schafft es Regisseurin Lanik, Melles Text schlüssig auf die Bühne zu bringen. Es ist pure Verzweiflung, die aus Josephine Köhlers Radiomoderatorin spricht, die mehr zu sein vorgibt, als sie ist. Grandios verkörpert sie die eine Erbin, die selbst nichts erschaffen kann. Sebastian Röhrle verzerrt seinen Makler zur Kunstfigur, um die Lügen in den Exposés zu vertuschen. Als resignierter Underdog, der seine Wohnung verloren hat, berührt Boris Burgstaller mit der Absage an ein erfülltes Leben."

"Mit "Die Lage" hat das Staatstheater nicht nur einen starken Text zur Uraufführung gebracht. Die Lust der Schauspieler, gerade die tragischen Aspekte aus seiner komplexen Gegenwartsdramatik herauszukitzeln, überzeugt."

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Deutschlandfunk Fazit
Rainer Zerbst, 18. Sep 20
"Stefan Hageneier hat ein wunderbares Bühnenbild gemacht, ein aseptisches modernes Appartement, das könnte alles sein. … Und in diesem Ambiente, in dieses Setting bringt [Regisseurin Tina Lanik] mal eine Castingshow für die Bewerbung an einer Wohngemeinschaft, dann bringt sie diese Makler-Präsentationen und da bringt sie die Gespräche der Figuren nach der Besichtigung einer solchen Wohnung. Das bringt sie in einer Vielzahl von Formen: mal als realistische Szene, mal als Stummfilm, mal als Chor, mal als Solo – und auf diese Weise wird sie mit den verschiedenartigen Formen der Inszenierung der Art des Stückes, das Thomas Melle vorgelegt hat – nämlich ein Stück, das aus lauter Stimmen besteht – gerecht. Sie bringt die vielfältigen Stimmen in Szenen auf die Bühne und das macht … diesen Abend zu einem sehr kurzweiligen Unterfangen…. [Tina Laniks] Regie jedenfalls war großartig und die fünf Schauspieler allesamt waren es auch."
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Süddeutsche Zeitung
Egbert Tholl, 22. Sep 20
"Zwei Schauspielerinnen und drei Schauspieler rasen mit Verve und Präzision durch die vielen Seiten Text. … gut wird es, wenn Melle die Situation überspitzt und Lanik das dankbar annimmt. In der Küchenzeile zum Beispiel haust der Vormieter einer Wohnung. Boris Burgstaller lebt dort im Schlafsack und schimpft auf die Lügen von Eigenbedarf, studierenden Töchtern und vor allem auf Luxussanierungen, wo ein Zausel mit altem Mietvertrag natürlich im Weg ist.

"Lustig dabei ist, dass einem die beiden Damen, Marietta Meguid und Josephine Köhler, zunehmend überlegener im Umgang mit der ganzen Malaise erscheinen. Herrlich, wie die extrem nuancierte Köhler wie eine Regisseurin Wohnungssuchende zur Entäußerung antreibt."

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Südwestpresse
Otto Paul Burkhardt, 21. Sep 20
"Thomas Melle, preisgekrönter Roman- und Bühnenautor, hat über die Usancen auf dem Wohnungsmarkt eine vielstimmige Satire geschrieben, teils effektvoll ins Absurde getrieben."

"Die Wut als Glutkern des Stücks ist trotz behutsamer Regie noch spürbar. Lanik legt den Akzent eher auf subversiven Sprachwitz und die befreiende Wirkung von Schimpftiraden. … Dickes Kompliment ans Ensemble!"

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Ludwigsburger Kreiszeitung
Arnim Bauer, 21. Sep 20
"Melle entgeht … dem Dilemma, das bei Stücken zu brisanten, aktuellen Themen oftmals zu beobachten ist: Sie werden zu real, wiederholen phrasenhaft das, was eh schon jeder weiß, langweilen damit, dass sie schnöde und unvollkommen Realität vorgeben wollen, Empörung inbegriffen. Melle aber schaut in die Zukunft, dreht Schrauben; die es heute zweifellos gibt, manchmal mehr, manchmal auch nur ein bisschen weiter, und zeigt so auf, wohin die Entwicklung führen könnte."

"Und die Inszenierung tut das kurzweilig, zügig, abwechslungsreich und pointiert. Immer wieder dreht das Geschehen ins Absurde, leise Satire klingt an, die uniformen Figuren, bloßgestellt, durchschaubar bis auf die Haut, und dies gegen Ende auch im wahren Wortsinn, begehren auf."

"Mit einer bemerkenswerten Ensembleleistung ist es in jedem Fall ein gut anzuschauendes Stück, ein Beispiel dafür, wie ein aktuelles Thema gut und auch abstrakt im Theater verhandelt werden kann."

Reutlinger Generalanzeiger
Thomas Morawitzky, 21. Sep 20
"Die Wohnungsnot, der Immobilienmarkt, Mieten, die in unfassbare Höhen eskalieren – nichts davon ist neu. … Thomas Melle jedoch weitet die Perspektive ins Bedrohliche. Hier geht es nicht nur um die Wohnung, hier geht es darum, zur Blase zu gehören, die sie sich leisten kann, es geht um soziale Segregation und die Angst, im falschen Viertel zu landen. ... Wenn Sebastian Röhrle zuletzt das Wort "Revolution" an die wunderbar drehbare Wohnspüle sprüht, dann ist das kein selbstbestimmtes Aufbegehren mehr, sondern gesellschaftliche Konsequenz."

"Melle wirbelt sie alle hinein in ein Kaleidoskop der Selbsterniedrigung, aber die Schauspieler stemmen sich dagegen. Sebastian Röhrle tobt, entdeckt die Luxuswohnung als Bruchbude, begehrt auf in einem großen Monolog; Josephine Köhler beklagt in einer groteskbrillanten Szene, unter Wehen mit offenen Schenkeln auf der Spüle, das arge Schicksal reicher Erben."

"Regisseurin Tina Lanik hat Thomas Melles Stück als einen Blick in ein exklusives Irrenhaus inszeniert, grell, laut, mit einigen sehr starken, immer aber bitteren Szenen, an einem Ort, an dem es kein Mitgefühl gibt, die Menschen kommen, die Menschen gehen."

Deutschlandfunk Kultur heute
Christian Gampert, 19. Sep 20
"Der Autor Thomas Melle stellt eine Situation her, die vordergründig Pointen und Entertainment verspricht, in Wahrheit aber die traurige Selbstvermarktung hipper Individuen zum Thema hat: das Vorstellungsgespräch bei der Wohnungssuche."

"Manchmal allerdings geht mit dem Autor die wilde Wut gegen die Verhältnisse durch, das ungestüm Assoziative und Selbstzerstörerische, das wir aus seinen Romanen kennen. Denn natürlich gibt es neben den Mitinteressenten immer einen Vormieter, der hier als Obdachloser noch in der Wohnung herumspukt. In Stuttgart liegt er wie Holbeins "Leichnam Christi im Grabe" in einem schrankartigen Verließ. Da ist Melle dann kurz ganz bei sich, der Außenseiter als Künder der Wahrheit."

"Insgeheim hat das Stück ein ganz anderes Zentrum. Vom Sexgestöhn bis zu den ersten Wehen einer Schwangeren ist die Wohnung für Melle psychisch besetzt: ein betonierter Mutterschoß. Und den verzweifelt Heimat-Suchenden bleibt nur Munchs "Schrei"."

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Die deutsche Bühne
Manfred Jahnke, 19. Sep 20
"Aus seinen Recherchen heraus entwickelt [Thomas Melle] die spannende Konzeption eines Castings. Viele Situationen wirken in dieser Verdichtung satirisch, sind aber bitter ernst, wenn Wohnungssuchende zum Schnarchtest ins Schlaflabor geschickt werden sollen oder kräftiges Sexstöhnen gefordert wird, um jeweils die Lautstärke zu testen."

"Damit gibt Lanik ihrer Inszenierung eine wichtige Linie vor: Sie betont das aggressive Potential des Stoffes, verbindet es zugleich mit einer klaren politischen Haltung, wenn am Tresen dann das Wort "Revolution" geschrieben wird. Oder, wenn im Abschlussvideo erneut eine große Schießerei stattfindet, in einem durch Spiegel sich brechenden Raum und mit Comicelementen."

"Mit dem hohen Spieltempo, den Szenen, die sich direkt an das Publikum wenden, und den schnellen Rollenwechseln, die in dieser Form ein intensives Mitdenken der Zuschauer einfordern, versucht die Regie herauszustellen, dass die Frage nach bezahlbaren Wohnungen keine individuelle Angelegenheit ist, sondern ein massives gesellschaftliches Problem darstellt."

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SWR2
Daniel Stender, 19. Sep 20
"Eine albtraumhaft gute Szene ist die, in der ein Paar eine Wohnung besichtigt. Einziger Nachteil: der vorherige Mieter lebt hier noch – erst auf den zweiten Blick sichtbar, in einem klaustrophobischen Raum im Schlafsack im Küchenschrank. Allein diese Szene wäre ein ganzes Stück wert."
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SWR4
Nikolaus Rödelberger, 19. Sep 20
"Die Überzeichnung unterstreicht die Tragik, Sätze wie "Ein freier Markt bestimmt die Zwänge" regen zum Nachdenken an. … Mit dem Stück "Die Lage" macht das Stuttgarter Staatstheater eines der drängendsten Probleme der Gegenwart greifbar und befasst sich mit einer Thematik, die viele Menschen direkt oder indirekt betrifft."
Online Merker
Alexander Walther, 19. Sep 20
"Auffallend ist bei diesem Stück der ungebremste Spielwitz und die komödiantische Energie, mit der die Darsteller Boris Burgstaller, Josephine Köhler, Marietta Meguid, Jannik Mühlenweg und Sebastian Röhrle hier in der temporeichen Inszenierung von Tina Lanik agieren. … Die Inszenierung besticht trotz kleinerer Schwächen durch ihre genaue Beobachtungsgabe. Der kalten Abstraktion des Bühnenbildes wird eine emotional völlig aufgeheizte Personenführung entgegengesetzt."
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