Die Wahrheiten (UA)

von Lutz Hübner & Sarah Nemitz
Karten
https://www.schauspiel-stuttgart.de/ Schauspiel Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart
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Mo – 17. Feb 20, 20:00
https://www.schauspiel-stuttgart.de/ Schauspiel Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart
Di – 18. Feb 20, 20:00
https://www.schauspiel-stuttgart.de/ Schauspiel Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart
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Kammertheater
Dauer – ca. 1:45 Std, keine Pause
Uraufführung
Sa – 25. Jan 20
Karten
https://www.schauspiel-stuttgart.de/ Schauspiel Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart
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Mo – 17. Feb 20, 20:00
https://www.schauspiel-stuttgart.de/ Schauspiel Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart
Di – 18. Feb 20, 20:00
https://www.schauspiel-stuttgart.de/ Schauspiel Stuttgart Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart
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Seit 17 Jahren sind Bruno und Sonja mit Erik und Jana befreundet. Eine gute Paarfreundschaft. Doch aus heiterem Himmel kündigen Erik und Jana per SMS an, den Kontakt abzubrechen – mit sofortiger Wirkung. Nachdem der erste Schock vorüber ist, bringt die Nachricht unausgesprochene Verletzungen ans Licht. Bruno hat Janas Psychologiestudium finanziert und das Paar in Erbschaftsangelegenheiten beraten. Nun fühlt er sich gedemütigt und abserviert. Und Sonja fürchtet, sie habe ihre Freundin Jana verstört, als sie ihr in einem schwachen Moment ein intimes Geheimnis über ihr Leben mit Bruno beichtete. Dass für Jana vor allem Bruno und ein vier Jahre zurückliegender Übergriff bei einem durch ihn vermittelten Coaching-Seminar für Führungskräfte der Auslöser ist, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Denn die Geschichte, die alle kennen, ist nur die halbe Wahrheit. Und einmal in Gang gesetzt, kommen bei der Suche immer weitere Wahrheiten ans Licht …
Die Wahrheiten ist ein Stück über Machtstrukturen und -missbrauch zwischen den Geschlechtern, und zwar genau dort, wo sie am häufigsten zu finden sind: in der Paarbeziehung. Lutz Hübner und Sarah Nemitz legen ihre Figuren unter das Brennglas und fächern Schicht um Schicht eingeschliffene Dynamiken, festgewachsene Geschlechterstereotypen und zwischenmenschliche Kommunikationsdefizite auf. Sie erzählen aus mehreren Perspektiven und legen so den Blick frei auf „unverantwortliche Wahrheiten“, die man dem anderen lieber verschweigt und die mit Wucht dazu führen, dass sich alles grundlegend ändert.
Inszenierung
Bühne und Kostüme
Dramaturgie

Pressestimmen

Südwest Presse
Otto Paul Burkhardt, 27. Jan 20
"Das klug gebaute Stück zeigt aber auch in überraschenden Wendungen, dass es zu ein und demselben Ereignis mehrere "Wahrheiten" geben kann. So sehen wir vier exzellenten Darstellern – Marietta Meguid, Michael Stiller, Katharina Hauter und Marco Massafra – beim Streiten zu. Das Spektrum reicht von Ignorieren, Verdrängen übers Schönreden, Zurechtlügen bis hin zu rigiden Schnellurteilen und ideologischer Verblendung. ... Starker Problemboulevard à la Yasmina Reza, unterhaltend und intelligent präsentiert."
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Die deutsche Bühne
Manfred Jahnke, 26. Jan 20
"Hübner und Nemitz entwickeln ihre Figuren ambivalent. Sie führen Haltungen vor, werten diese aber nicht. Das muss schon der Zuschauer tun. Sie arbeiten dabei ganz bewusst mit Klischees, die dem bürgerlichen Publikum nicht unbekannt sind."

"Katharina Hauter spielt diese Jana als jemand, dem die Welt weg bröckelt, als jemand, der auf der Suche ist, aber in ihrer Welt auf Unverständnis stößt. Sie spielt das mit kleinen Gesten groß aus. Erscheint sie zu Beginn ein wenig wie eine graue Maus, so wächst sie in ihrer Verzweiflung über sich hinaus. … Marietta Meguid und Michael Stiller sind das ältere Paar Sonja und Bruno. In deren Zusammenspiel herrscht eine große Vertrautheit, ihr Alltag wirkt eingespielt. Da stehen sich zwei gleich starke Persönlichkeiten gegenüber. Großartig, wie die beiden das machen."

"Bodamer … zeigt die Nuancen in den Figuren und entwickelt ein hohes Spieltempo, unterstützt von den leisen Tönen der Musik von Tobias Preisig, die nur zwischen den Akten laut wird. Im dritten wird das Gerüst hochgefahren. Die vier Spieler stehen weit auseinander im Raum, obschon sich ja die beiden Frauen wie die Männer heimlich treffen. Wenn Sonja und Jana miteinander sprechen, wenden sich die Männer ihnen zu, wie auch umgekehrt: Da herrscht plötzlich eine Aufmerksamkeit, wie es sie zuvor zwischen den Figuren nicht gegeben hat. Bodamer gelingt da eine eigentümlich schwebende Stimmung, die die Einsamkeit dieser Figuren groß ausstellt."

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nachtkritik
Steffen Becker, 25. Jan 20
"Der dritte Akt der Aussprachen dient eher der Erklärung der Handlung, nicht der finalen Trümmerorgie sonst vergleichbarer Komödien. Und das ist auch gut so. Die Sticheleien der Paare, die parodistisch ausgestellten Macho- und Feministinnen-Sprüche, die blank liegenden Nerven – all das gibt "Die Wahrheiten" Tempo und Unterhaltungswert. Aber der Kern ist die Ausleuchtung von Machtverhältnissen. Der Kniff des Textes liegt darin, dass er wie nebenbei eine Vergewaltigung einführt. Sie wird gebraucht als Benchmark für ultimativen Missbrauch. Und als Folie, zu der die Protagonisten die Frage in Beziehung setzen, was an der Hauptgeschichte des missratenen Coaching-Einsatzes Missbrauch ist. Hübner und Nemitz betten dies so logisch in ihre Handlung ein, dass der #Metoo-Bezug alles andere als plakativ wirkt."

"Angenehm subtil verlagert Regisseurin Bodamer die Darstellung von Macht weitgehend auf die Dialogebene. … Die Stärke der Inszenierung liegt in der Ambivalenz, in der sie die Figuren zeigt. Alle kann man verstehen. Umso schwerer wird es einem als Zuschauer*in gemacht, eine klare Antwort aus dem Abend zu ziehen, wo Sexismus anfängt. Sie/er muss schon selbst reflektieren."

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KULTURA extra
Thomas Rothschild, 26. Jan 20
"Die Stücke von Lutz Hübner und Sarah Nemitz sind stets ganz nah an der gesellschaftlichen Wirklichkeit. … Wer diese Art von wortlastigem Realismus mag, wird an den geschliffenen Dialogen seine Freude haben. Auf alle Fälle kann man den Darstellern Beifall zollen. Insbesondere Marietta Meguid und Michael Stiller, die schon vor der Intendanz Kosminski zum Ensemble des Staatstheaters gehört haben, hatten lange keine Gelegenheit, sich so ausführlich zu präsentieren. Sie entledigen sich ihrer Aufgabe ganz vorzüglich. … "Die Wahrheiten", das lässt sich prophezeien, werden ihren Weg durch die deutschen Theater machen wie die Stücke von Yasmina Reza."
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SWR2
Karin Gramling, 27. Jan 20
"Lutz Hübner und Sarah Nemitz fächern anhand dieses Vorfalls auch die komplexen Machtstrukturen und Probleme innerhalb der Beziehungen der Paare selbst auf. ... [Das Stück] lebt zudem von rasanten Dialogen. Allerdings seziert Regisseurin Sophia Bodamer das Thema Machtmissbrauch gelegentlich zu kühl…. Dennoch führt dieser Abend eindrücklich vor, wo struktureller Missbrauch eigentlich beginnt und warum so viele sich so schwer tun, diesen auch zu benennen."
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Süddeutsche Zeitung
Adrienne Braun, 28. Jan 20
"Die Regisseurin Sophia Bodamer und die Ausstatterin Prisca Baumann haben sich für ein angenehm nüchternes Ambiente entschieden mit hölzernen Schiebewänden, die Distanz erzeugen. Die Wortgefechte können sich klar und konzentriert entfalten. Marietta Meguid und Michael Stiller als abserviertes Paar sind souverän und präsent…. Am stärksten ist Katharina Hauter als psychisch angeschlagene Jana, die ihre Schwäche geschickt als Waffe nutzt, um ihren Mann (Marco Massafra) zu manipulieren."
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Bayerischer Rundfunk
Michael Laages, 27. Jan 20
"Richtig wahrhaftig agiert hier niemand – und das ist die Stärke im Text. Die diversen Lebens- und Überlebenslügen von Partnerin und Partner der jeweiligen Paarkonstellationen werden geschickt und Detail um Detail enttarnt… ."
Deutschlandfunk Kultur
Christian Gampert, 27. Jan 20
"Sonja, sehr warmherzig und ausgleichend gespielt von der souveränen Marietta Meguid, hat ihrem Mann Bruno zwar eine Affäre gestanden und auch, dass ihr zweiter Sohn nicht von ihm ist. Etwas viel Schwerwiegenderes, unter dem sie sehr leidet, hat sie ihm aber aus Selbstschutz verschwiegen. … Bruno wiederum, den der großartige Michael Stiller als joviales Finanzberaterhirn und gekränktes Alphamännchen anlegt, hat den Sohn zwar angeblich akzeptiert, muss sich aber zwanghaft als Gönner der Familie und auch des befreundeten Paares aufspielen. … Katharina Hauter zeigt als Jana, wie nahe berechtigter Widerstand und nervendes Selbstmitleid beieinanderliegen. Das ist wunderbar ambivalent gespielt."

"Die Inszenierung von Sophia Bodamer ist intelligenter Beziehungsboulevard. Das schnurrt ab wie ein Uhrwerk wie bei Yasmina Reza."

Stuttgarter Zeitung
Nicole Golombek, 27. Jan 20
"ein äußerst spielfreudiges Ensemble - Marietta Meguid, Michael Stiller, Katharina Hauter und Marco Massafra"

"Gleichwohl gelingt es den Autoren, bei den Älteren noch besser, für eine gewisse Balance in den Geschlechterfragen zu sorgen. Sie geben auch in den zum Teil rasanten Dialogen den Schauspielern jede Menge Möglichkeiten, mal absurd witzige, mal liebevolle Szenen herauszuspielen."

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